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Bio-Konsum geht zurück: Kommt erst das Fressen, dann die Moral?

Frau vor der Wahl
am Mittwoch, 11.05.2022 - 14:00 (14 Kommentare)

Krieg, Inflation, allgemeine Unsicherheit – immer mehr Verbraucher lassen Bio-Produkte links liegen. Für Landwirte macht es das nicht leichter, auf Bio umzustellen oder dabei zu bleiben. Die Politik verschlampt mal wieder ihre eigenen Ansprüche. Soll Bio eine Schönwetter-Wirtschaft sein?

Ja, die Preise steigen. Der Einkaufswagen ist leerer, das Portemonnaie auch. Selbst beim Angebot aus dem Bio-Regal geht das so. Bioläden und Bio-Supermärkte haben in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich weniger Ware als im Vorjahreszeitraum an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht, so der Bundesverband Naturkost Naturwaren.

Das hehre Ziel von 30 Prozent Bio, wie es die Politik anstrebt, erreichen wir so jedenfalls nicht. Wenn die Regierung das will, muss sie zweierlei: Erstens, sich trauen, den Verbrauchern reinen Wein einzuschenken. Denn vermeintlich bessere Produkte zu kaufen, hat seinen Preis. Es geht um Integrität. Und zweitens muss sie den Landwirten ermöglichen zu planen.

Landwirtschaft funktioniert halt nicht nach dem Hü-Hot-Prinzip. Wer Bio als Betriebszweig aufziehen oder halten will, muss das Risiko einschätzen können. Oder sie sagt: Bio ist nicht mehr Staatsräson. Dann sind auch 30 Prozent Bio kein Thema mehr.

Zwischen Krieg und Inflation passt keine Bio-Karotte

Dabei sah es so gut aus; Der Bio-Markt hatte 2020 und 2021 solige Zuwächse gehabt. Und nun dies: 18 Prozent niedrigere Tagesumsätze im März als im Vergleichszeitraum letztes Jahr. Marktforscher finden genug Gründe, warum Verbraucher in Deutschland nicht mehr zu Bio-Milch oder Bio-Gemüse greifen. Da ist der Krieg in der Ukraine, der steigenden Kosten für Energie und damit auch für Lebensmittel allgemein. Die Inflation frisst das Bio-Geschäft. Das ist ein schlechtes Zeichen für die Bundesregierung, die 30 Prozent Biolandbau möchte. Zur Zeit sind es gut zehn Prozent. Da wäre noch Luft.

Verbraucher entscheidet nicht nach Ansprüchen

Wahrscheinlich spiegelt sich in den Zahlen aber nur wieder, was Landwirte immer schon ahnen: Der Verbraucher entscheidet sich eben nicht für Bio, weil er Ansprüche an Tierwohl und Anbau hat. Sondern weil es ihm gerade in den Kram passt. Ein ähnliches Schema wie beim Heizen oder Autofahren. Verzicht, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, ist komplett aus der Mode gekommen. Naturschutz, Umweltschutz, Klimaschutz scheint eine Schönwetter-Sache zu sein.

Den Menschen kann man darob keinen Vorwurf machen. Egoismus ist halt Standard in unserem Verhaltensmuster. Nur für Landwirte wird es schwierig: Wieso sollten sie höhere Kosten und niedrigere Erträge in Kauf nehmen?

Landwirte mit Bio ködern, nicht die Verbraucher

Die Lehre daraus kann nur sein, dass die Politik nicht auf den Verbraucher setzen sollte. Schafft Anreize für die Landwirte, warum sie auf Bio umsteigen sollten. Erleichtert das Umstellen, strafft die Bürokratie, entlohnt die höheren Ansprüche und Kosten.

Oder, falls doch herauskommt, dass allein Bio eben doch nicht reicht, um Ernährung, Klimaschutz und Artenvielfalt unter einen Hut zu bringen, lasst die 30 Prozent sausen. Trennt nicht in Sparten wie konventionell oder bio, sondern schaut, welche Wirtschaftsweise den Zielen am besten gerecht wird. Und sagt den Verbrauchern endlich, dass all das nicht zum Nulltarif zu haben ist.

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