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Grüne Woche

BÖLW: Landwirtschaft ökologisch umbauen

BÖLW PK
am
16.01.2019

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ging zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche den Fragen nach: Wie enkeltauglich ist die Agrarpolitik der Bundesregierung?

Und wie steht es dabei um Bio? Auf der Pressekonferenz der Gründen Woche kommt die BÖLW zu dem Ergebnis, dass in der derzeitigen Agrar- und Ernährungspolitik noch viel Luft nach oben ist.

In der Summe forderte der Biodachverband nicht weniger als einen Umbau der Land- und Ernährungswirtschaft nach ökologischen Maßstäben und Grundsätzen.

Direktzahlungen für ökologischen Umbau

Alexander Gerber, BÖLW-Vorstand für Landwirtschaft, stellt mit Blick auf die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) fest: “Dürrejahr, Höfesterben, Überdüngung und Artenschwund würden zeigen, dass die Politik in der Landwirtschaft wirksam umsteuern muss. Er kritisierte, dass die Bundesregierung diese Themen zwar benennt, jedoch nicht ausreichend aktiv  wird. 

Gerber führte sagte außerdem, dass die Bio-Bauern zeigen, wie Pflanzen ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel gesund bleiben und das Wasser sauber. Biobauern würden zudem ihre Tiere artgerecht halten damit zum Klimaschutz beitragen. Gerber forderte von der EU-Agrarpolitik konsequent umzusteuern. Mit Ausgaben von 60 Mrd. Euro jährlich würde die Agrarpolitik nämlich bestimmen, welche Landwirtschaft sich für die Betriebe lohnt.

Nach Gerbers Meinung sollte jeder EU-Staat ab 2020 mehr Spielraum bekommen, die Agrarpolitik selbst zu gestalten. Der BÖLW-Vorstand forderte, dass 70 Prozent der Agrargelder künftig Bauern honorieren, die  mehr für die Umwelt, die Tiere und das Klima tun. Nur noch 30 Prozent sollten als Basisprämie verwendet werden.

Verbindliche Kennzeichnung gefordert

Elke Röder, BÖLW-Vorstand für Handel sagte:  “86 Prozent der Menschen wollen wissen, wie die Tiere gehalten werden, deren Fleisch sie essen". Zu diesem Ergebnis kam der aktuelle Ernährungsreport des BMEL. Röder führt das Beispiel der verbindlichen Eierkennzeichnung an und zudem das Bio-Siegel. Diesen würden die Verbraucher als wichtigsten Kennzeichen für gute Lebensmittel vertrauen.

Vor diesem Hintergrund kritisierte Röder, dass das staatliche ‚Tierwohllabel‘ nicht verpflichtend sein soll. Der gesetzliche Mindeststandard – und damit das Gros der Produkte – würden also ungelabelt bleiben. Dieses Vorgehen würde nach der Auffassung de BÖLW hinter den derzeitigen Stand der Diskussion zurückfallen. Damit würden lediglich die gesetzlichen Mindestanforderungen konkretisiert.

Was nach Auffassung von Röder fehlte, ist zudem eine eigene Stufe für Bio. Die Bio-Anforderungen lägen beispielsweise beim Schwein deutlich über dem, was in der ‚strengsten‘ konventionellen Stufe gefordert würde. So hätten Bio-Schweine 50 Prozent mehr Platz. Mit der vom Kunden längst gelernten, vierstufigen Kennzeichnung von Eiern gäbe es dafür ein funktionierendes Vorbild.

"Radikaler Realismus" und konkrete Maßnahmen

Der BÖLW-Vorsitzende, Felix Löwenstein, forderte von der Politik „einen radikalen Realismus“, damit das Koalitionsziel von 20 Prozent Ökolandbau bis 2030 durch konkrete Maßnahmen umgesetzt werden könne. Notwendig dafür wäre nach Löwensteins Ausführungen, dass die Zukunftsstrategie Öko-Landbau (ZöL) umgesetzt und mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet würde.

Die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) müsse nach den Vorstellungen von Löwenstein darauf ausgerichtet werden, dass die Bauern honoriert werden, die Umwelt, Klima und Tiere schützen.

Der BÖLW-Vorsitzende forderte außerdem, dass die Forschung auf die Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie ausgerichtet würde. Wer 20 Prozent Bio anstrebe, müsse ausreichend in Forschung investieren, so Löwenstein.

Die neue Bundesregierung solle außerdem sicherstellen, dass Verbote der Patentierung von Pflanzen und Tieren tatsächlich wirksam würden. Neuartige Gentechnikverfahren wären nach Löwensteins Auffassung ebenfalls Gentechnik.

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