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Kommentar

Das Branchengespräch Fleisch ist ein billiger Taschenspielertrick

Huetchenspiel_smb
am Donnerstag, 25.06.2020 - 15:15 (Jetzt kommentieren)

Warum der Fleischgipfel von Julia Klöckner, Ursula Heinen-Esser und Barbara Otte-Kinast in Düsseldorf den Nutztierhaltern in Deutschland eher schadet als nützt.

Simon Michel-Berger

Die aktuelle Medienaufmerksamkeit für die Fleischindustrie ist, bei aller negativen Berichterstattung, auch eine Chance. Man kann sich, wenn man es geschickt anstellt, als Macher und strategischer Denker präsentieren. Findige Politikerinnen in Berlin, Düsseldorf und Hannover haben das erkannt und darum am Freitag, den 26. Juni, kurzfristig ein Branchengespräch Fleisch einberufen. Noch vor einer Woche wusste niemand in den drei Landwirtschaftsministerien, dass es so ein Gespräch geben würde. Aber nun ist es so und ich vergönne allen drei Ministerinnen die Bühne, auf die sie sich stellen werden.

Fleischgipfel: Eine hervorgezauberte Lösung?

Was mich aber wundert ist das Ziel der Veranstaltung. In einem aus dem Ärmel gezauberten Gipfel soll mit Beteiligten der gesamten Lebensmittelkette bis zum Verbraucher geklärt werden, wie die Tierhaltung in Deutschland neu justiert, besser Erzeugerpreise und faire Bedingungen geschaffen werden sollen. Wofür die Borchert-Kommission Monate brauchte, woran die Initiative Tierwohl seit Jahren arbeitet und wofür die Bauern ihre Leben lang kämpfen, das soll jetzt in ein paar Stunden geklärt werden?

Wenig neue Erkenntnisse von Klöckner und Co. zu erwarten

Schön wäre es, wenn alles so schnell und leicht ginge. Tut es aber nicht. Gerade weil das Thema so vertrackt ist, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ja die Zukunftskommission Landwirtschaft eingerichtet. Die bräuchte es auch nicht mehr, wenn die drei Ministerinnen jetzt die Lösung aller Probleme der Nutztierhalter aus dem Hut zaubern.

Ich vermute, dass am Ende vor allem Vorschusslorbeeren für das geplante staatliche Tierwohllabel von Julia Klöckner herauskommen werden. Jenes Label, das außerhalb des Bundeslandwirtschaftsministeriums kaum jemand will und zu dem es seit Jahren nicht viel mehr als eine Ankündigung nach der anderen gibt.

Was den Nutztierhaltern wirklich helfen würde

Man könnte sich bei so einem Gipfel auch mit sinnvollen Dingen beschäftigen: Zum Beispiel damit, wohin die Landwirte ihre Schweine liefern sollen, wenn Schlachthöfe schließen. Oder was es für die deutschen Bauern heißt, wenn China kein Fleisch aus Tönnies-Schlachthöfen mehr importiert. Die Landwirte sind die vergessenen Leidtragenden der Verfehlungen der Schlachtindustrie. Mit schnellen Lösungen für diese Probleme könnte man ihnen helfen.

„Instagrammbar“ sind solche Themen freilich nicht. Bilder von geretteten Tieren verkaufen sich besser als solche von geretteten Bauern. Erwarten Sie, liebe Landwirte, sich darum nicht allzu viel vom Treffen in Düsseldorf. Freuen sie sich, wenn das Beispiel Schule macht, lieber auf eine Politik, die alle langfristigen Probleme künftig mit Krisengipfeln scheinbar im Handumdrehen löst.

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