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Brandenburg / Sachsen

Brandenburg: Neue Düngeverordnung verdreifacht die roten Gebiete

Bisher gab es in Brandenburg verhältnismäßig wenig rote Gebiete. Mit Inkrafttreten der neuen Landesdüngeverordnung verdreifachen sich nun die betroffenen Flächen. Auch in Sachsen müssen mehr Landwirte verschärfte Bewirtschaftungsauflagen beachten.
am Mittwoch, 30.11.2022 - 13:42 (Jetzt kommentieren)

Durch die neue Düngeverordnung steigt der Anteil der roten Gebiete in Brandenburg auf mehr als das Dreifache an. Auch in Sachsen können Landwirte jetzt einsehen, wie sich die mit Nitrat belasteten Flächen vergrößern.

Rote Gebiete in Brandenburg

Die zuständigen Behörden in Brandenburg haben die neue Karte zu den roten Gebieten im digitalen Feldblockkataster veröffentlicht.

Nach Informationen des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums seien im Bundesland mit morgigem (01.12.) Inkrafttreten der neuen Düngeverordnung 72.861 Hektar als rotes Gebiet ausgewiesen. Zuvor waren es etwa 23.000 Hektar. 5,6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zählen nun zu den nitratbelasteten Gebieten. Die meisten davon befinden sich in der Uckermark, im Havelland und in Märkisch-Oderland.

Gab es bisher 268 Betriebe in Brandenburg mit Flächen in roten Gebieten, sind es laut Ministerium jetzt 639 Betriebe. Davon hätten 523 Betriebe ausschließlich Ackerland. 

Verringert habe sich dagegen die Anzahl der Messstellen, die für die Neuausweisung herangezogen wurden. Von 1.452 bei der Ausweisung 2020 verringerte sie sich auf 1.142 Messstellen, weil sich die technischen Anforderungen an die Messstellen erhöht haben. Bis Ende 2024 plane das Landesamt für Umwelt den Neubau von mindestens 50 Messstellen.

In Sachsen haben sich die roten Gebiete heute (30.11.) auf 185.000 Hektar ausgedehnt. Zuvor waren es 130.600 Hektar. Die neue Kulisse der nitratbelasteten Gebiete in Sachsen ist im InVeKoS Online-Geoinformationssystem mit und ohne Anmeldedaten abrufbar. Die betroffenen Flächen verteilen sich auf 57.842 Hektar Ackerland, 24.512 Hektar Grünland und 2.690 Hektar sonstige landwirtschaftlich genutzte Flächen, zum Beispiel für Obst, Dauerkulturen, Rebflächen oder Teich/Schilf.

Landesbauernverband Brandenburg demonstriert in Potsdam gegen neue Düngeverordnung

Landwirte aus Brandenburg haben ihren Agrarminister Axel Vogel (Grüne) heute (29.11.) in Potsdam wegen der neuen Vorgaben zur Rede gestellt. Sie forderten Verursachergerechtigkeit und eine Berücksichtigung von Altlasten, die zum Beispiel aus der Tierhaltung zu DDR-Zeiten stammen, im Düngerecht. Ein Landwirt aus der Uckermark erklärte: „Die Messstellen, die die Nitratwert unter meinem Acker messen, sind älter als ich!“

„Mit der Ausweisung von Roten Gebieten auf einer Internet-Plattform stellt das Land die Betriebe öffentlich an den Pranger, ohne eine eigene Exit-Strategie anzubieten, also einen Fahrplan, wie sie von der Ausweisungskarte wieder verschwinden können“, sagt LBV-Präsident Henrik Wendorff. Ein erster Beitrag wäre laut Wendorff die seit mehr als zwei Jahren angekündigte Düngestrategie für das Land. Tweet

Höhere Messstellendichte hat in Sachsen eigentlich zur Verkleinerung der Kulisse geführt

Rote Gebiete in Sachsen

Wie das Landwirtschaftsministerium in Sachsen mitteilt, hat sich die Anzahl der Messstellen von 496 in 2020 auf 964 in 2022 fast verdoppelt. Das habe erst einmal dazu geführt, dass sich die Immissionskulisse, also die Fläche der mit Nitrat belasteten Teile von Grundwasserkörpern, um etwa 14 Prozent verkleinerte. Auch die Verwendung von aktuelleren Grundwassermesswerten wirkte sich positiv aus.

Dieser Effekt sei jedoch durch methodische Änderungen in der AVV Gebietsausweisung überkompensiert worden. Konkret hätten der Wegfall der Emissionsmodellierung und die Einbeziehung von Feldblöcken, die zu mindestens 20 Prozent und nicht mehr zu 50 Prozent in der Immissionskulisse liegen, letztlich zur Ausweitung der roten Gebiete geführt. Auch die Berücksichtigung von Trinkwasserschutzgebieten mit nur einer belasteten Messstelle habe zur Verschärfung der Lage beitragen.

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