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Agrarförderpolitik

Brexit: Briten wollen Beihilfen abbauen

Weidehaltung in England
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
11.05.2018

Die britische Regierung bereitet eine nationale Agrarpolitik für die Zeit nach dem Brexit vor. Die Förderung der Landwirtschaft soll abgebaut werden.

Ganz im angeblich so ungeliebten Brüsseler Stil hat das britische Landwirtschaftsministerium zunächst die Bürger befragt, wie eine nationale Agrarpolitik nach dem Ausscheiden aus der Europäischen Union aussehen soll.

Mitte der Woche endete die Befragung mit dem Titel "Gesundheit und Harmonie". Über 44.000 Antworten gingen beim Landwirtschaftsministerium in London ein.

Obergrenze und Degression auch in Großbritannien ein Thema

Sowohl die Fragen selbst als auch die erste Reaktion von Umwelt- und Agrarminister Michael Gove nach Abschluss der Meinungsumfrage deuten darauf hin, dass sich die Farmer auf den Inseln künftig vor allem auf weniger Einkommensstützung einstellen müssen.

Der Fragebogen selbst stellte eine Kürzung der Direktzahlungen erst gar nicht in Zweifel, sondern wollte nur Anregungen für das "Wie". Zur Wahl standen eine Obergrenze oder degressive Zahlungen. Zu Beginn des Jahres hatte Gove nach Angaben des Pressedienstes aiz.info bereits einen Deckel von 100.000 GBP oder knapp 114.000 Euro ins Gespräch gebracht. Das wäre immerhin noch doppelt so viel, wie derzeit in Brüssel immer wieder als Obergrenze genannt werden.

Öffentliches Geld für öffentliche Güter

Gove möchte die Einkommensbeihilfen künftig jedoch nicht mehr von der bewirtschafteten Fläche abhängig machen. Stattdessen sollen die Umweltleistungen der Landwirte im Vordergrund stehen. "Öffentliches Geld für öffentliche Güter" lautet das Motto. Zielgrößen könnten zum Beispiel die Artenvielfalt, der Bodenschutz und mehr Tierwohl sein.

Gove sieht sich in seinem Kurs durch eine Umfrage der Nicht-Regierungsorganisation WWF bestätigt, wonach neun von zehn Briten der Meinung sind, Landwirte sollten für den Naturschutz bezahlt werden.

Bisher erhalten die britischen Farmer jährlich rund 3 Mrd. Euro Direktzahlungen aus Brüssel. Gove sieht im Brexit die Chance, dass die Landwirtschaft produktiver wird, zugleich die Lebensmittelqualität steigt und der Schutz der Umwelt verbessert wird.

Bauernverband kritisiert widersprüchliche Ziele

NFU-Präsidentin Minette Batters

Die Präsidentin des britischen Bauernverbandes (NFU), Minette Batters, betonte die Bereitschaft, konstruktiv mit der Regierung an fairen neuen Rahmenbedingungen für die britische Landwirtschaft mitarbeiten zu wollen.

Die bisher bekannt gewordenen Vorschläge seien aber nicht immer klar und teilweise sogar widersprüchlich.

Sie bewegten sich in einem Spannungsfeld zwischen den internationalen Handelszielen der Regierung einerseits und Forderungen an die heimische Wirtschaft andererseits.

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