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Brexit

Der Brexit kommt: Die Folgen für die deutsche Agrarwirtschaft

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Katharina Krenn, agrarheute
am
24.06.2016

Das britische Volk hat entschieden: Großbritannien tritt aus der EU aus. Der Austritt wird deutlich negative Folgen für die deutsche Landwirtschaft haben, so die Meinung des Deutschen Bauernverbands.

Beim gestrigen Referendum stimmten 51,9 Prozent der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union. Jetzt hat Premierminister David Cameron für Herbst seinen Rücktritt erklärt. Die EU kündigte einen baldigen Start der Austrittsverhandlungen an. Laut den EU-Austrittsregelungen gelten die vertraglichen EU-Verpflichtungen für Großbritannien noch weitere zwei Jahre.

Laut Raiffeisenverband rechnen Experten mit einem Zeitraum von fünf bis sieben Jahren, bis die Austrittsbedingungen endgültig ausgehandelt sind. 

Das Brexit-Votum hat weltweit die Finanzmärkte erschüttert. Am deutschen Aktienmarkt erfolgte der stärkste Kursrutsch seit 2008.

Deutschland verliert großen Nettoagrarimporteur

Der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union hat nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) deutlich negative Folgen auch für die deutsche Land- und Agrarwirtschaft. Die Exporte der deutschen Agrarwirtschaft in das Vereinigte Königreich beliefen sich 2015 auf rund 4,8 Milliarden (Mrd.) Euro, das entspricht einem Anteil an den gesamten deutschen Exporten von knapp 6 Prozent.

Der Agrarhandel vom Vereinigten Königreich nach Deutschland lag bei rund 1,4 Mrd. Euro. Im Saldo zwischen Export und Import ist das Vereinigte Königreich für Deutschland das Land mit dem größten Nettoagrarexport von 3,4 Mrd. Euro, hebt der DBV hervor.

Wichtigste deutsche Ernährungsgüter im Export auf die britischen Inseln sind Fleischwaren, Backwaren, Milchprodukte sowie Obst und Gemüse.

Briten importieren deutsches Schweinefleisch

Der zweitgrößte Markt bei den UK-Fleisch­importen ist das Schweinefleisch. Der Selbstversorgungsgrad liegt in diesem Teilmarkt bei lediglich 60 Prozent, berichtet Marktexperte Dr. Olaf Zinke im agrarmanager.

Die wichtigsten Lieferanten von Schweinefleisch (ohne Verarbeitungsprodukte) sind Dänemark, Deutschland, die Niederlande und Belgien. Deutschland hat einen Marktanteil an der gesamten Liefermenge von 20 Prozent. Schinken und andere verarbeitete Produkte kommen fast ausschließlich aus Dänemark, den Niederlanden und Deutschland. Deutschland hat hier einen Handelsanteil von 14 Prozent.

Großbritannien: Drittgrößter Importeur von Käse

Milchprodukte rangieren bei den wertmäßigen Einfuhren des Vereinigten Königreichs auf Position 4. Ihr Anteil an den Gesamtimporten liegt bei etwa 7 %. Dabei macht der Käse mit mehr als 50 % den mit Abstand größten Posten bei den Milchimporten aus. Bezogen auf die Gesamtkäseimporte des UK kommt Irland auf einen Anteil von gut 25 %, Frankreich auf 24 % und Deutschland auf 15 %.

Insgesamt ist das Vereinigte Königreich der drittgrößte Importeur von Käse am EU-Binnenmarkt.

Hersteller verlassen Großbritannien

Bereits im Vorfeld der Abstimmung kündigten Firmen bei einem Austritt die Verlagerungen ihrer Produktionen von Großbritannien ins Ausland an.  Die Land- und Baumaschinengruppe CNH will ihre Traktorproduktion nach Österreich verlegen. Die Traktoren sollen dann im Werk von Steyr produziert werden. Der Konzern würde damit den Ankündigungen mehrere Industriekonzerne, so zum Beispiel Ford, Land Rover, Nissan, Honda oder GM, folgen.

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