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Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel

Bricht die Ampelkoalition beim Pflanzenschutz ihr Wort?

Lager eines Landhandels für Pflanzenschutzmittel
am Donnerstag, 18.11.2021 - 13:06 (Jetzt kommentieren)

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) warnt vor einer Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel. Nach Informationen des Verbandes steht eine solche Steuer derzeit auf der Tagesordnung bei den Koalitionsverhandlungen.

Die Notwendigkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes nach guter fachlicher Praxis hebt der DRV in einer Pressemitteilung hervor. Im Hinblick auf die mögliche Vereinbarung einer Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel im Ampel-Koalitionsvertag weist der DRV darauf hin, dass höhere Preise nicht zu einer Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes führten.

Ein Sondierungspapier von SPD, Grünen und FDP hatte neuen Substanzsteuern eine Absage erteilt. Sollte es zu einer Sondersteuer kommen, wäre das also ein Wortbruch. Nicht eingehalten würde außerdem die Empfehlung der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL), die in ihrem Abschlussbericht eine sofortige Steuer oder Abgabe auf den Pflanzenschutzmitteleinsatz nicht befürwortet hat.

An richtiger Dosierung kann der Preis nichts ändern

In seiner Stellungnahme macht der DRV auf die Gefahren aufmerksam, die ohne die Anwendung von Pflanzenschutzmitten drohen: Der Befall durch Schädlinge oder Pilze sowie Unkräuter könnten die Ernte vernichten oder ihre Qualität mindern. Sowohl der konventionelle als auch der ökologische Anbau seien betroffen. „Entscheidend ist die richtige Dosierung. Davon hängt die Wirksamkeit ab“, sagt DRV-Präsident Dr. Henning Ehlers. Ein Verzicht auf Pflanzenschutzmittel wegen höherer Preise sei also ein Trugschluss. Die steigenden Kosten hätten also ebenfalls zahlreiche Nebenwirkungen.

Positive Wirkungen auf die Biodiversität und den Umwelt-, Arten- und Klimaschutz sollten stattdessen über die Digitalisierung und Entwicklung neuer Technologien erreicht werden. Damit könne der Pflanzenschutzmitteleinsatz deutlich reduziert werden. „Notwendig ist eine schnelle Reaktionszeit der Landwirte – und ein verlässlicher Partner wie die Genossenschaften, die eine schnelle Lieferung der benötigten Wirkstoffe gewährleisten können“, erklärt Ehlers. Kooperation in der teuren Anschaffung der Technologien ermöglichten außerdem deutliche Einsparungen. Daher sollten kooperative Lösungsansätze laut Ehlers besser gefördert werden. Auch die ZKL hat einen integrierten Pflanzenschutz und die Digitalisierung einer Sondersteuer vorgezogen.

Die zusätzlichen Belastungen durch eine Sondersteuer stellten insbesondere für die kleinen und familiengeführten Betriebe ein Risiko dar. Daher appelliert der DRV an SPD, FDP und Grüne, dass ein vermehrtes Höfesterben nicht das politische Ziel sein könne.  

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