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Studie über faire Erzeugerpreise

BUND-Studie: Durch diese Maßnahmen steigen die Erzeugerpreise

Kasse im Supermarkt
am Mittwoch, 17.11.2021 - 05:00 (1 Kommentar)

Um faire Erzeugerpreise zu schaffen, ist ein Mix von verschiedenen Instrumenten nötig. Dabei ist der politische Handlungsspielraum nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) noch lange nicht ausgereizt.

Olaf Bandt

Bei einem digitalen Pressegespräch, zu dem der BUND heute (16.11.) eingeladen hat, stellte das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) eine von ihm erarbeitete Studie über faire Erzeugerpreise vor. Der BUND war Auftraggeber der Studie.

BUND-Vorsitzender Olaf Bandt erinnerte zunächst daran, dass in der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL), der er angehörte, die Bedeutung einer fairen Bezahlung für Landwirte immer wieder deutlich geworden sei. Da sie in der aktuellen Situation der Agrarmärkte noch nicht einmal kostendeckend wirtschaften könnten, seien sie von einer fairen Bezahlung noch entsprechend weit entfernt. Besonders in der Schweinemast herrschten momentan desaströse Preise, die, wie Bandt betonte, nicht das Ziel eines Umweltverbands seien.

In den letzten Jahren seien die Bauern jedoch mit den schlechten Preisen allein gelassen worden. Um sich vom Prinzip „Wachse oder weiche“ abwenden zu können, müssten Märkte reguliert und die Marktmacht begrenzt beziehungsweise auf der anderen Seite gestärkt werden.

Exportstrategie und Discountkultur

Als Ursachen für die niedrigen Erzeugerpreise auf dem Fleischmarkt stellte Ann-Cathrin Beermann, wissenschaftliche Referentin des FÖS, eine Überproduktion und eine Exportstrategie heraus. „Die Exportstrategie ist in Teilen gescheitert“, sagte Beermann. Hinzu komme in Deutschland eine Discountkultur unter den Verbrauchern. Diese sei aber auch auf ein knappes Budget vieler Konsumenten zurückzuführen. Im Zeitraum zwischen 1970 und 2019 seien die Anteile der Lebensmittelpreise, die beim Erzeuger ankommen, für Brot, Kartoffeln, Fleisch, Milch und Eier erheblich zurückgegangen.

In der Studie des FÖS seien „faire Erzeugerpreise“ so aufgefasst worden, dass ein Betrieb die Produktionskosten decken und seine Mitarbeiter angemessen bezahlen kann.

Instrumentenmix soll Verhalten von LEH und Verbrauchern steuern

Das erste Instrument solle dazu dienen, eine grundlegende Verbraucherinformation zu schaffen. Noch gebe es keine einheitliche beziehungsweise staatliche Kennzeichnung für eine „faire“ Produktion. Problematisch bei einer solchen Kennzeichnung sei, dass die Begriffe „fair“ und „nachhaltig“ bisher nicht klar definiert seien.

Über freiwillige Selbstverpflichtungen des Lebensmitteleinzelhandels könne der Erzeugerpreis ebenfalls erhöht werden. Da über 90 Prozent des Marktes aber auf fünf große Handelsketten konzentriert seien, könne sich dieses Instrument nur begrenzt auswirken. Zu diesem Bereich gehörten auch Ankündigungen des Einzelhandels, Fleisch aus niedrigen Haltungsstufen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Sortiment zu nehmen.

Mindestpreis für tierische Produkte

Kirsten Wosnitza

Weiter erklärte Beermann, dass ökonomische Instrumente wie die Tierwohl-Abgabe aus den Empfehlungen der Borchert-Kommission die Erzeugerpreise unterstützten könnten. Den Tierhaltern werde durch die Abgabe dabei geholfen, Investitionskosten und den Mehraufwand zu stemmen. Wie bei der EEG-Umlage werde ein Mindestpreis garantiert, indem mit den zusätzlichen Einnahmen notfalls aufgestockt werde. Planerische Instrumente sollten dabei helfen, eine Produktionsausweitung zu verhindern. Durch die finanzielle Unterstützung sollten die Tierbestände in Deutschland abgebaut werden. Tierhalter sollten entweder beim Erschließen anderer Betriebszweige, aber auch beim Ausstieg aus der Tierhaltung unterstützt werden. In den Niederlanden werde derzeit eine ähnliche Strategie vorbereitet.

Mit Hilfe des Ordnungsrechts solle ein Preiswerbeverbot für tierische Produkte durchgesetzt werden. BUND-Vorsitzender Bandt wies darauf hin, dass bei den vorgeschlagenen Änderungen im Ordnungsrecht die Wirkung auf den Erzeugerpreis im Mittelpunkt stand. Ordnungsrechtliche Hürden für die Landwirte wurden hier nicht betrachtet. Das kürzlich novellierte Gesetz zur Wettbewerbsbeschränkung müsse auf seine Wirkung hin überprüft werden, heißt es in der Studie. Darüber hinaus sei für den Lebensmitteleinzelhandel das Kartellrecht anzuwenden, wofür die Regeln noch erweitert werden könnten.

Landwirtin Kirsten Wosnitza, die in Nordfriesland einen Betrieb mit 120 Milchkühen bewirtschaftet, befürwortete die Vorschläge des FÖS. Ihrer Ansicht nach ließen sich die in ihrer Region spürbaren Folgen der niedrigen Preise nur mit Hilfe der Politik auflösen. Wichtig sei die Kooperation mit den Partnern der Wertschöpfungskette, beispielsweise Schlachtereien oder Molkereien. Die EU-Agrarzahlungen hätten weder das Höfe-, noch das Artensterben stoppen können. Noch immer müssten Landwirte die Stückkosten senken und wachsen, wenn sie im System bleiben wollen.

Erzeugerpreisindex macht die Probleme nicht sichtbar

Im September 2021 haben sich die Erzeugerpreise laut aktueller Auswertung des Statistischen Bundesamts (Destatis) im Vergleich zum Vorjahr positiv entwickelt: Für pflanzliche Produkte wird ein Plus von fast 22 Prozent, für tierische Produkte von beinahe acht Prozent verzeichnet. An der Spitze standen die Erzeugerpreise für Getreide (+ 33,3 Prozent) und Speisekartoffeln (+ 35,5 Prozent). Insgesamt lagen die Erzeugerpreise aller landwirtschaftlichen Produkte somit um 13,3 Prozent höher als im September 2020.

Ob die gestiegenen Erzeugerpreise bei den Landwirten wirklich zu höheren Einnahmen führen, geht aus der Statistik nicht hervor. Die deutlich höheren Kosten für Betriebsmittel, die landwirtschaftliche Betriebe derzeit zahlen müssen, sind hier nicht berücksichtigt.

Kommentar

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