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Männliche Eintagsküken (Update vom 28.5.2021)

Nach Bundestag stimmt Bundesrat dem Kükentötungsverbot zu

Kükenaufzucht
am Freitag, 28.05.2021 - 14:00 (2 Kommentare)

Der Bundestag hat am 20. Mai 2021 das Gesetz zum Tötungsverbot von Eintagsküken beschlossen. Gelten soll es ab Anfang 2022. Der Bundesrat hat das Gesetz am 28. Mai bestätigt. Ausnahmeregelungen für Futtertierabnehmer, wie anfangs vom Bundesrat empfohlen, gibt es nun doch nicht.

Am späten Abend des 20. Mai 2021 hat der Bundestag das Gesetz zum Kükentötungsverbot beschlossen. Damit dürfen ab dem 1. Januar 2022 keine männlichen Eintagsküken aus Legelinien, aber auch keine anderen Küken mehr aus ökonomischen Gründen getötet werden. Konkret heißt es im Tierschutzgesetz nun: "Es ist verboten, Küken von Haushühnern der Art Gallus gallus zu töten."

Künftig sollen die Hahnenküken bereits im Ei erkannt und der Brutprozess unterbrochen werden. Mit den gegenwärtigen Methoden geschieht das um den 9. Bruttag herum. Die neue Gesetzgebung wird aber auch das nur noch für einen begrenzten Zeitraum gestatten. Ab 1. Januar 2024 soll die Geschlechtsfrüherkennung zwingend bereits bis zum 6. Bruttag erfolgen, um sicherzustellen, dass der Embryo bei Brutabbruch noch nicht schmerzempfindlich ist. Bislang gibt es für diese extrem frühe Geschlechtsbestimmung allerdings keine praxisreife Methode.

Alternativ können Junghähne auch nach dem Schlupf bis zu einer Schlachtreife aufgezogen werden (Bruderhahnaufzucht). Die Nachhaltigkeit dieser Methode ist jedoch umstritten.

Bundesrat: Ausnahmeregelungen für Futtertiere

Trotzdem könnte es wohl Ausnahmen vom Tötungsverbot geben. So bliebe die Tötung aus Tier- oder Seuchenschutzgründen erlaubt. Auch nicht geschlüpfte Küken dürfen getötet werden.

Der Bundesrat, der sich abschließend mit dem Gesetz befassen wird, hatte bereits am 5. März dieses Jahres in einer Stellungnahme erklärt: "Abweichend von Satz 1 kann die zuständige Behörde auf Antrag des Halters von Tieren, deren bedarfsgerechte Ernährung nicht auf anderem Wege möglich ist und andernfalls andere Tiere zu diesem Zweck auch getötet werden müssten, erlauben, dass Küken zum Zweck der Verfütterung getötet werden. Die Erlaubnis darf nur erteilt werden, wenn diese Voraussetzungen sowie die tatsächlich benötigte Menge an Küken zur bedarfsgerechten Ernährung der gehaltenen Tiere glaubhaft dargelegt werden."

Damit dürften Wildvogelstationen, Reptilienhalter und Zoos die Möglichkeit eingeräumt bekommen, Abnahmeverträge mit Brütereien abzuschließen. Voraussetzung ist, dass die jeweilige Tierart oder -kategorie auf Ganzkörperfutter angewiesen ist. Die Verträge sollen zeitlich befristet werden und müssen inhaltlich überprüfbar sein.

(Stand: 21. Mai 2021, 00:30 Uhr)

Update 28.5.2021: Bundesrat stimmt Tötungsverbot ohne Ausnahmen zu

Der Bundesrat hat am 28. Mai 2021 der Änderung des Tierschutzgesetzes hinsichtlich eines Kükentötungsverbots ohne weitere Empfehlungen zugestimmt. Damit ist ab 01. Januar 2022 das Töten von Eintagsküken aus rein wirtschaftlichen Gründen verboten. Bis zum 31. Dezember 2023 dürfen Bruteier nach einer Geschlechtsfrüherkennung um den neunten bruttag herum vernichtet werden. Ab 01. Januar 2024 muss diese Geschlechtsfrüherkennung zwingend vor dem 7. Bruttag erfolgen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bezeichnete das neue Gesetz vor dem Bundesrat als „Meilenstein für den Tierschutz“ und begrüßte, dass Deutschland als Vorreiter das erste Land weltweit sei, das das Töten von Eintagsküken aus wirtschaftlichen Gründen verbiete. Gleichzeitig wolle man seine Tierschutzprobleme keinesfalls ins Ausland verlagern.

Die ursprünglich vom Bundesrat empfohlene weiterbestehende Erlaubnis den Tötens von Eintagsküken, wenn für diese Abnahmeverträge als Futtertiere vorliegen (siehe oben), hat es nicht ins Gesetz geschafft. Damit sind ab nächstem Jahr keine Futterküken aus Deutschland mehr verfügbar, so dass Zoos und Wildvogelstationen auf Importe oder andere Futtertiere wie Mäuse und Ratten angewiesen sind.

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