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Wahlverhalten

Bundestagswahl: Diese Parteien haben die Landwirte gewählt

SPD-Wahlplakat mit Traktor im Hintergrund
am Dienstag, 28.09.2021 - 14:40 (3 Kommentare)

Eine Erhebung des Wahlverhaltens verschiedener Berufsgruppen zeigt, wie sehr die Union an Zustimmung aus der Landwirtschaft verloren hat. Trotzdem sind CDU/CSU noch immer die von Landwirten am meisten gewählten Parteien.

Wo einst starker Rückhalt herrschte, kann viel kaputt gehen. Das zeigt der Vergleich der Wählerbefragungen von 2017 und von vergangenem Sonntag (26.09.), die die Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt hat.

Markantestes Ergebnis: Während die Union vor vier Jahren noch weit über die Hälfte aller Landwirte für sich gewinnen konnte, ist die absolute Mehrheit aus der Landwirtschaft am Sonntag verloren gegangen.

Diese Erkenntnis geht auf die Angaben von 41.373 Wählerinnen und Wähler aus den Berufsgruppen Arbeiter, Angestellte, Beamte, Selbständige und Landwirte zurück, die die Forschungsgruppe Wahlen am Sonntag befragt hat.

Weniger Landwirte als sichere Bank für die Union

Auswertung der Forschungsgruppe Wahlen als Diagramm

Von den betrachteten Berufsgruppen sind es die Landwirte, von denen die Union die mit Abstand größte Zustimmung bekommen hat. Das hat sich auch jetzt nicht geändert – doch der Vergleich mit den Jahren 2017 und 2013 zeigt deutliche Verluste unter den vermeintlichen Stammwählern auf.

So konnte die Union am Sonntag noch 45 Prozent der Landwirte für ein Kreuz bei CDU oder CSU bewegen. 2017 haben noch 61 Prozent der befragten Landwirte angegeben, sich für die Union entschieden zu haben. Bei der Bundestagswahl 2013 waren es sogar 74 Prozent.

Damit folgt das Wahlverhalten der Landwirte dem Trend des Vertrauensverlustes gegenüber der Union, der sich genauso in den anderen Berufsgruppen widerspiegelt und sich letztlich im Gesamtergebnis ausdrückt.

Stimmen wanderten zur SPD und zu sonstigen Parteien

Die positive Entwicklung für die SPD nach der jetzigen Wahl hat sich in der Landwirtschaft bestätigt. Da die Sozialdemokraten von den Landwirten 2017 nur fünf Prozent der Stimmen bekamen und der Anteil nun auf zwölf Prozent gestiegen ist, fiel die Zustimmung sichtlich größer aus. Aber noch mehr Landwirte gaben ihre Stimme einer kleineren Partei – 13 Prozent setzten ihr Kreuz jetzt bei einer Partei, die in den letzten vier Jahren nicht im Bundestag vertreten war. Bei der Wahl 2017 waren es nach den Erhebungen der Forschungsgruppe Wahlen vier Prozent.

Nicht verändert haben sich die Stimmenanteile für Grüne, AfD und FDP. Sowohl 2017 als auch am Sonntag stimmten fünf Prozent der Landwirte für die Grünen, acht Prozent für die AfD und 14 Prozent für die FDP. Minimal abgenommen, von vier auf drei Prozent, hat der Zuspruch für Die Linke.

Viel Bewegung im letzten halben Jahr

Auswertung der Sonntagsfrage als Säulendiagramm

Eine Gegenüberstellung des Ergebnisses der Forschungsgruppe Wahlen mit unserer agri EXPERTS-Umfrage von Februar 2021 zeigt, dass die (voraussichtliche) Wahlentscheidung von Landwirten mehreren Einflüssen unterworfen war. Tendenzen, die sich vor einem halben Jahr abgezeichnet hatten, sind teilweise in etwas schwächerer Form eingetreten. Unser Umfragezeitraum war durch das am 10. Februar vom Bundeskabinett beschlossene Insektenschutzpaket von einer angespannten Stimmung geprägt.

Der bröckelnde Rückhalt der Union war bereits in unserer Umfrage abzusehen – allerdings wurde das darin erzielte Ergebnis von 18 Prozent doch bei Weitem übertroffen. Nicht eingetreten ist der extreme Zuwachs zugunsten der FDP auf 24 Prozent.

Darüber hinaus verdeutlichte die agri EXPERTS-Umfrage, dass es die SPD in der landwirtschaftlichen Wählerschaft nicht leicht hat: Nur ein Prozent unserer Befragten hätte sich im Februar für die Sozialdemokraten entschieden. Entsprechend ist der Unterschied zum am Sonntag eingetretenen Ergebnis sehr groß ausgefallen.

Für die AfD hätten in unserer Umfrage noch 14 Prozent gestimmt. Hier gab es also einen Rückgang um 6 Prozentpunkte. Der Vergleich beider Erhebungen legt die Vermutung nahe, dass viele Landwirte, die im Februar noch FDP oder AfD gewählt hätten oder die zum großen Teil (22 Prozent) der Unentschlossenen gehört haben, sich am Sonntag letztlich doch für CDU/CSU oder SPD entschieden.

Mit Material von AgE

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