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Politik

CeresAward-Bäuerin bringt Annalena Baerbock im ZDF in Erklärungsnot

Juette-Baerbock
am Freitag, 17.09.2021 - 13:00 (24 Kommentare)

Beim ZDF-Wahlforum „Klartext, Frau Baerbock!“ am 16. September setzte die Landwirtin und Gewinnerin des CeresAwards Claudia Jütte aus Hessen der Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, mit scharfen Fragen zu.

Dass Claudia Jütte den Dialog mit Verbrauchern nicht scheut, hat sie oft bewiesen. Die Landwirtin aus Fuldatal in Hessen bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit 75 Kühen, Hofkäserei, Direktvermarktung und Café. Die zertifizierte Bauernhofpädagogin hat über die Jahre auf dem Weidberghof mit zahlreichen Besuchergruppen sowie ihren Kundinnen und Kunden über Landwirtschaft gesprochen. Im Jahr 2015 gewann sie beim CeresAward die Kategorie „Unternehmerin“. Doch einen besonderen Erfolg erzielte sie in der ZDF-Sendung „Klartext, Frau Baerbock!“, als sie die Spitzenkandidatin von Bündnis 90 - die Grünen bei der Bundestagswahl in Erklärungsnot brachte.

Wie wollen die Grünen Landwirtschaft stärken?

Zunächst erinnerte Jütte daran, dass Deutschland Lebensmittel aus der ganzen Welt importiere und dabei klimaschädliche Emissionen im Transport erzeuge. Dann wollte Sie von Baerbock wissen: „Was wollen Sie tun, um die deutsche Bevölkerung zukünftig klimafreundlich mit Lebensmitteln zu versorgen, wenn jeden Tag sieben Familienbetriebe, die der Verbraucher eigentlich haben will, aufgeben?“

Baerbock antwortete: „In dem wir regionale und vor allem Bioprodukte aus der Region stärken.“ Sie verwies auf die oftmals bekannte Bereitschaft der Verbraucher, regional und gesund einzukaufen. In der Agrarpolitik gebe es ein System, bei dem viel zu Dumpingpreisen aus dem Ausland importiert werde. Deswegen müssten Kleinbauern in Deutschland aufhören. Gleichzeitig exportiere die EU beispielsweise Hähnchenschenkel nach Afrika und gefährde dort die Kleinbauern. Wörtlich sagte Baerbock: „Was wir wollen sind faire Handelsverträge und vor allem eine EU-Agrarförderung, die nicht mit der Gießkanne Fördermittel verteilt.“ Vielmehr sollten die Landwirte unterstützt werden, die sich um öffentliche Aufgaben wie Tiere, gesunde Lebensmittel und die Böden kümmern.

Was tun gegen Lippenbekenntnisse von höherer Zahlungsbereitschaft?

Jütte aber gab zu bedenken: „Mit den Verbrauchern ist es leider manchmal so wie mit den Politikern: Wenn man ihnen auf der Straße das Mikrofon vor den Mund hält, kaufen alle regional und Bio. Nur warum wird dann noch nicht mal 5 % Biofleisch gekauft? Warum fahren die Milchtanker mit Biomilch kreuz und quer durch Deutschland, werden die Biomilch nicht los und die Biomilcherzeuger kriegen nur den konventionellen Preis?“

Baerbock nannte die Kennzeichnung als Schlüssel: „Bei den Eiern haben wir es gesehen. Als 'Massentierhaltung', 'Freiland-' oder 'Bio-Huhn' gekennzeichnet wurde, brach der Konsum von den Eiern mit ‚Drei‘ massiv ein. Das brauchen wir auch bei Fleisch. Einige Supermärkte machen das jetzt, weil die Landwirtschaftsministerin es nicht gebacken bekommen hat zu sagen, welches Fleisch eigentlich aus guter Tierhaltung ist.“

Grünen-Spitzenkandidatin bittet Bäuerin um Lösungen

Doch Jütte zeigte sich nicht überzeugt. Daraufhin drehten sich die Rollen und Baerbock wollte von ihr wissen: „Was wäre Ihr Vorschlag? Das System weiterzumachen, geht ja auch nicht.“ Die Landwirtin gab zurück: „Dieser Begriff Massentierhaltung, wann fängt der an? Wir konnten von 20 Kühen leben, als wir unseren Betrieb übernommen haben. Wissen sie, was der Landwirt heute für einen Liter Milch bekommt?“

Baerbock antwortete unsicher: „Ich würde sagen 50 Cent?“ Die Milchviehhalterin konterte: „31 lächerliche Cent. Eine Kuh gibt 30 Liter Milch, das sind 9 Euro, die ich von der Kuh habe.“ Davon müsse sie Lohn, Wasser, Strom und andere Kosten decken. Jütte betonte: „Da braucht man sich nicht wundern, wenn mehr als 20 Kühe im Stall stehen."

Was ist für Annalena Baerbock Massentierhaltung?

Die Grünen-Politikerin aus Brandenburg reagierte mit einer emotionalen Antwort: „20 Kühe oder auch 100 Kühe im Stall sind keine Massentierhaltung. In Sachsen ist es ähnlich, in Brandenburg auch: Da sind diese Massentierhaltungsanlagen.“ Hedgefonds und nicht Landwirte hätten dort Flächen gekauft, um „dann eine Massentierhaltungsanlage darauf zu bauen, wo dann zigtausende von Hühnchen in der Fläche von einem DIN-A-5 Zettel zusammengepfercht sind. Das ist für mich industrielle Massentierhaltung.“ Baerbock gab jedoch zu: „Es gibt noch Diskussionsbedarf.“ Gesunde Lebensmittel aus der Region und das Überleben von Bäuerinnen und Bauern seien „eines der großen Themen unserer Zeit“.

Nach der Sendung sprach agrarheute mit Claudia Jütte. Ihr Fazit des Dialogs mit Annalena Baerbock: "Ich bin nach wie vor nicht überzeugt. Wir Bäuerinnen und Bauern brauchen keine Reden sondern Taten."

 

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