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Zukunft der Landwirtschaft

Chef der Zukunftskommission Landwirtschaft an Kritiker: „Text lesen“

Zukunftskommission-Landwirtschaft-Strohschneider
am Donnerstag, 15.07.2021 - 13:40 (1 Kommentar)

Prof. Peter Strohschneider, Vorsitzender der Zukunftskommission Landwirtschaft, reagiert auf Kritik am Abschlussbericht des Gremiums. Im Gespräch mit agrarheute mahnt er Kritiker: „Man muss den Text lesen, nicht bloß einzelne Wörter oder Sätze.“

Rund eine Woche nach der Übergabe des Abschlussberichts der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) regt sich daran auch Kritik. Neben teilweise heftigen Diskussionen in sozialen Medien und Vorwürfen, auf einzelne wichtige Aspekte einer Agrarwende nicht einzugehen, hatte zuletzt auch eine Gruppe von Agrarbloggern das Ergebnis der Arbeit der Kommission in Frage gestellt.

Warum Rosinenpickerei im Abschlussbericht nicht funktioniert

Im Gespräch mit agrarheute reagiert Prof. Peter Strohschneider auf Kritik an der Arbeit der Zukunftskommission Landwirtschaft mit der Aufforderung, sich mit dem gesamten Text zu beschäftigen. Wörtlich sagte er: „Es ist mühsam, knapp 190 Seiten zu lesen. Wer an einzelnen Wörtern oder Sätzen Anstoß nehmen will, findet sie. Doch unser Bericht ist kein Markt, auf dem ein Thema beliebig gegen ein anderes eingetauscht werden könnte. Uns geht es um das Gleichgewicht in der systematischen Gesamtschau. Wer Rosinen picken will, hat den Bericht nicht verstanden.“

Was würde es bedeuten, wenn jetzt eine der Organisationen eines ZKL-Mitglieds den Bericht der Zukunftskommission Landwirtschaft noch ablehnen würde? Strohschneider erklärt: „So ein Schritt würde verdeutlichen, dass es um den politischen Zusammenhalt dieses Verbandes nicht gut bestellt ist. Wer den Abschlussbericht erst unterzeichnet und dann zurückweist, macht sich als politischer Gesprächspartner nicht glaubwürdiger.“

Abschied von den Kampfbegriffen

Der Vorsitzende der Zukunftskommission Landwirtschaft zeigt sich hoffnungsvoll, dass durch den Bericht auch der Umgang der Unterzeichnerorganisationen miteinander dauerhaft besser wird. Wörtlich sagte er: „Ich wollte durch gegenseitiges Verständnis allen Seiten die Kampfbegriffe nehmen. Darum gibt es im Abschlussbericht auch keine simplen Aussagen des Typs, dass etwa kleine extensive Betriebe immer besser seien als große intensive. Dafür gibt es keine empirische Basis und deswegen auch keine entsprechenden Empfehlungen im Bericht.“

Ist der Bericht der Zukunftskommission Landwirtschaft zu nichtssagend, weil kein detaillierter Plan für die Umsetzung der Agrarwende vorgelegt wird? Das glaubt Strohschneider nicht: „Eine konkrete Umsetzungsstrategie zu entwickeln war nicht unser Auftrag. In einer Demokratie ist das die Aufgabe der Politik. Wie viel Geld genau wofür gebraucht wird, was als staatliche Förderung und was über den Markt kommt, hängt sehr davon ab, wann welche Umsetzungsschritte ergriffen werden. Darum kann man dazu jetzt seriös noch nichts sagen. Alle Seiten haben sich aber auf die Empfehlung geeinigt, das System der EU-Agrarförderung im Laufe der nächsten zwei Förderperioden schrittweise und vollständig in Zahlungen umzuwandeln, die konkrete Leistungen im Sinne gesellschaftlicher Ziele betriebswirtschaftlich attraktiv werden lassen.  Wir wollen damit die Angst vor Strukturbrüchen nehmen. Und wir sprechen übrigens auch die Empfehlung aus, für eine möglichst hohe Zahl von Betrieben Zukunftsperspektiven zu schaffen“.

Wie geht es mit der Zukunftskommission Landwirtschaft weiter?

Wie es mit der Zukunftskommission Landwirtschaft weitergehen soll, erklärt Strohschneider so: „Im Herbst planen wir eine öffentliche Veranstaltung in Berlin, um die Ergebnisse unserer Arbeit breit zu kommunizieren.“ Ob der Bericht eine Blaupause für mögliche Koalitionsverhandlungen darstellen könne, sei möglich: „Wir haben ein äußerst strittiges Spannungsfeld systematisch sortiert. Wenn mögliche Koalitionäre diese Vorarbeit nutzen wollen, können sie sich viel Arbeit sparen.“

Doch selbst wenn dies nicht geschehe, könne sich die Arbeit der Zukunftskommission gelohnt haben. Strohschneider betont: „Wenn der Teamgeist, der zwischen der obersten Führungsebene der Agrar- und Umwelt-, der Tierschutz- und Verbraucherschutzseite aufgeblüht ist, dauerhaft Wurzeln schlägt, dann war unsere Arbeit ein Erfolg.“

Der vollständige Text des Abschlussberichts der Zukunftskommission Landwirtschaft steht auf der Internet-Seite des Bundespresseamtes.

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