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Farm-to-Fork-Strategie

Deutsche Landwirte sollen 55 Prozent Pflanzenschutzmittel einsparen

Das von der Politik bereits umfassend kommunizierte Reduktionsziel für Pflanzenschutzmittel von 50 Prozent soll für Deutschland nicht gelten. Dem Vorschlag der EU-Kommission nach sollen für die deutschen Landwirte 55 Prozent angesetzt werden.
am Mittwoch, 10.08.2022 - 13:35 (7 Kommentare)

Die EU-Kommission hat jedem Mitgliedstaat ein eigenes Reduktionsziel für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vorgeschlagen. Deutschland soll bis 2030 überdurchschnittliche 55 Prozent einsparen - und steht damit im EU-Ranking weit oben.

Nach Informationen des US-amerikanischen Politico-Magazins hat die EU-Kommission den Mitgliedstaaten Zielvorgaben zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln am 19. Juli mitgeteilt. Zuvor hatten sich die nationalen Landwirtschaftsminister in Brüssel getroffen. Viele der Minister kritisierten den Vorschlag der EU-Kommission während der Tagung des Rates.

Hintergrund ist das Gesamtziel aus der Farm-to-Fork-Strategie der EU, bis 2030 den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln EU-weit um 50 Prozent zu verringern

Wie das Politico-Magazin nun bestätigte, gilt das 50-Prozent-Ziel aber nicht gleichermaßen für jedes Land. Stattdessen soll die Ausgangslage im jeweiligen Mitgliedstaat berücksichtigt werden. Die 50 Prozent sind also nur als durchschnittliches Ziel zu betrachten.

Für die Kommission reicht die Größe von 50 Prozent offenbar für über die Hälfte der Mitgliedstaaten nicht aus. Das gilt auch für Deutschland. Hierzulande sollen bis 2030 nicht nur 50 Prozent, sondern 55 Prozent der Pflanzenschutzmittel eingespart werden. Das geht aus einer inoffiziellen Liste hervor, in der die Ziele von 25 Mitgliedstaaten ersichtlich sind und die Politico eingesehen hat. Ausgegangen wird dabei von der durchschnittlich ausgebrachten Menge im Zeitraum von 2015 bis 2017.

EU-Ranking: Diese Länder sollen mehr als 50 Prozent der Pflanzenschutzmittel einsparen

Angeführt wird die Liste mit dem Gesamteinsatz und dem Risiko chemischer Pflanzenschutzmittel, die reduziert werden sollen, von Italien. Bis 2030 sollen die italienischen Landwirte ein Einsparziel von 62 Prozent erreichen. An fünfter Stelle stehen Deutschland und Belgien mit jeweils 55 Prozent.

Vorgeschlagene Reduktionsziele für den Gesamteinsatz und das Risiko chemischer Pflanzenschutzmittel
  Mitgliedstaat Reduktionsziel
1. Italien  62 %
2. Malta 61 % 
3. Slowenien 59 %
4.  Zypern 58 %
5.  Deutschland, Belgien 55 %
6.  Frankreich, Spanien 54 %
7. Finnland, Österreich, Lettland, Estland, Litauen, Niederlande 53 %
8. Portugal 49 %
9.  Ungarn, Irland 48 %
10. Polen  45 %
11. Schweden, Rumänien, Bulgarien, Slowakei, Griechenland, Kroatien, Tschechien 35 %

Beim anderen Teil der 25 Mitgliedstaaten liegt das Einsparziel unter 50 Prozent. So ist für Portugal eine Verringerung von 49 Prozent vorgesehen. 

Eine weitere Liste gibt Reduktionsziele für den Einsatz gefährlicherer Pflanzenschutzmittel vor. Hier sind für Deutschland 53 Prozent vorgesehen. Das strengste Ziel von 68 Prozent muss auf dieser Liste Portugal erfüllen. Das beim Gesamteinsatz erstplatzierte Italien soll 45 Prozent der gefährlicheren Pflanzenschutzmittel einsparen. An letzter Stelle dieser Liste stehen die Niederlande, Schweden und Griechenland mit jeweils 35 Prozent.

Nicht in den von Politico eingesehenen Listen enthalten waren Dänemark und Luxemburg.

BMEL steht hinter dem 50-Prozent-Ziel

Wie eine Sprecherin des BMEL gegenüber agrarheute erklärt, begrüße das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) die Bestrebungen der Kommission, den Einsatz von Pestiziden weitgehend in allen Mitgliedstaaten zu harmonisieren, ausdrücklich. Die Ampelkoalition stehe zu dem 50-Prozent-Reduktionsziel aus der Farm-to-Fork-Strategie.

Unter sorgfältiger Abwägung werde der Vorschlag der EU-Kommission nun intensiv geprüft. „Die einzelnen Bestimmungen dieses Vorschlags einschließlich der Berechnungsmethoden für die nationalen Reduktionsziele der Mitgliedstaaten werden in den kommenden Monaten in den Ratsgremien und im EU-Parlament eingehend erörtert“, so die Sprecherin des Ministeriums.

Ein Sprecher der Generaldirektion für Umwelt der EU-Kommission teilt agrarheute mit, dass die vorläufigen Berechnungen zu den Reduktionszielen bei Pflanzenschutzmitteln so erfolgt seien, wie es die Methodik aus dem Verordnungsvorschlag vorsehe. Nun warte die Kommission auf die Rückmeldungen aus den Mitgliedstaaten.

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