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Verwehungen

Dicamba-Abdrift: Bayer und BASF müssen in USA Schadenersatz zahlen

Pflanzenschutzspritze auf Feld
am Montag, 17.02.2020 - 10:03 (2 Kommentare)

Ein US-amerikanisches Gericht hat Bayer und BASF zu Strafzahlungen und Schadensersatz verurteilt. Nach Ansicht der Geschworenen ist der Wirkstoff Dicamba von benachbarten Feldern auf eine Pfirsichplantage geweht. Bayer kündigte Berufung an.

Das Gericht verhängte rund 15 Mio. US-Dollar als Schadenersatz und weiter rund 250 Mio. US-Dollar als Strafe. Das von Monsanto, heute Bayer, entwickelte Produkt, sei für die Schäden an den Pfirsichen verantwortlich. BASF hat ein eigenes Präparat, das auf Dicamba basiert, um gentechnisch veränderte Kulturen (GVO) zu behandeln.

Weitere Gerichtsverfahren folgen

Das Urteil ist das erste in einer Reihe laufender Verfahren. Bayer will Berufung dagegen einlegen. Dicamba sei für die Ernteverluste nicht verantwortlich. Laut BASF sei eigens darauf hingewiesen worden, dass es zu Abdrift kommen könne. Die Verwehungen seien zu vermeiden, wenn die Anwender geschult seien und die Gebrauchsanweisung einhielten.

Bayer und BASF arbeiten demnach seit längerem an veränderten Formulierungen des Wirkstoffs. Sie sollen weniger flüchtig sein. Erste veränderte Produkte hatten die US-Behörden 2017 erlaubt. Geklagt wurde zuvor unter anderem auch dagegen, dass der Einsatz älterer Dicamba-Mittel 2015 und 2016 illegal gewesen sei, weil es noch keine Zulassung gab.

GVO-Soja und Baumwolle sind gegen das Herbizid resistent. Die dazu passenden Präparate sind leicht flüchtig und schädigten laut Gericht das Nachbarfeld ohne herbizidresistente Kultur. Das hätten die Konzerne billigend in Kauf genommen, argumentierten geschädigte Landwirte.

Gegen Abdrift und Gentechnik

Laut Informationsdienst Keine Gentechnik besitzt Bill Bader die größte Pfirsichfarm im US-Staat Missouri. Er verlor demnach 30.000 Bäume, weil Nachbarn ihre Felder spritzten, auf denen Dicamba-resistente Pflanzen wuchsen. Die Abdrift ließ seine Bäume absterben, berichtet das Portal.

Bader machte 20 Mio. US-Dollar Schaden geltend. Den Schaden will er demnach nicht von den Nachbarn ersetzt haben, sondern von den Dicamba-Herstellern. Sie hätten bewusst das Risiko Abdrift in Kauf genommen, so Baders Anwälte vor dem Bezirksgericht in Cape Girardeau.

"Interne Dokumente" sollen das belegen, etwa Tabellen, in denen künftige Verkaufszahlen und damit einhergehende Beschwerden Betroffener abgeschätzt worden seien. Laut der Organisation 'U.S. Right to Know' haben über 100 andere Farmer in mehreren US-Bundesstaaten Klagen mit der gleichen Argumentation eingereicht. So habe das Urteil eine grundlegende Bedeutung.

Dicamba in Deutschland vor allem im Mais zugelassen

In Deutschland ist der Wirkstoff Dicamba in diversen Maisherbiziden gegen zweikeimblättrige Unkräuter enthalten, beispielsweise in Arrat, Banvel 480 S, Dicamba-Flüssig, Mais-Banvel WG, Task, Cirontil. Teilweise bestehen auch Zulassungen in Sorghum-Hirse, Miscanthus und Grünland.

Auch zahlreiche Rasendünger plus Unkrautvernichter aus dem Baumarkt für die Heim+Garten-Anwendung enthalten Dicamba.

Mit Material von Informationsdienst Gentechnik, BVL

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