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Kommentar

Nach Dickow-Rücktritt: Zurück in die Schützengräben?

Gewitter über Weizenfeld
am Freitag, 17.04.2020 - 20:36 (Jetzt kommentieren)

Nach teilweise harscher persönlicher Kritik hat der Sprecher von Land schafft Verbindung - Deutschland (LsV), Sebastian Dickow, seine Ämter niedergelegt. Das ist eine Warnung vor einer neuen Zerrissenheit in der Landwirtschaft.

Simon Michel-Berger, Chefredakteur agrarheute

Es war einmal ein Landwirt, der wollte, dass sich die Dinge ändern. Dass die Landwirtschaft aus der Ecke der fehlenden Wertschätzung bis hin zur Missachtung herauskommt, in der sie sich in den Augen vieler Menschen befindet. Als einzigen Weg dazu sah er, dass die Bauern als gemeinsame Bewegung auf die Verbraucher und die Politik zu gehen und Gespräche suchen. Er und viele Gleichgesinnte brachen auf. Er stecke viel Zeit und eigenes Geld in diese Aufgabe, informierte, organisierte, kommunizierte und stellte sich auf Bühnen, um den Mächtigen unbequeme Fragen zu stellen. Eine Zeit lang schien es, als könnte damit etwas zum Guten gewendet werden.

Was hat LsV erreicht?

Dann zeigte sich, dass es einfach noch nicht reichte. Der Landwirt war mit seinen Verbündeten weit gekommen und hatte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und das Ohr der Politik (Stichwort: Zukunftskommission) erreicht. Ohne zu spalten und Brände zu legen – im Internet oder sonstwo. Er brach dabei auch noch mit dem Vorurteil des verschlagenen Bauern, der nur auf seine Subventionen schaut, und der in den Köpfen vieler Menschen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, weit verbreitet ist. Aber den ganzen Weg zu seinem Ziel kam er nicht.

Wie geht es jetzt weiter?

Was kam, war die Corona-Pandemie, eine Krise nicht bekannten Ausmaßes, die auch auf den auf dem Milchmarkt überschwappt. Und all diejenigen, die lieber spalten als versöhnen, warfen dem Landwirt auf einmal Dinge vor, die sich nicht gehören. Man nannte ihn einen „Verräter“, einen „Judas“ – und das sind noch einige der weniger schlimmen Vorwürfe, die in manchen WhatsApp-Gruppen in jüngster Zeit herumgingen. Wer mochte es da dem Landwirt verdenken, dass er hinschmiss?

Was bleibt danach?

Was bleibt ist ein politisches Vermächtnis, dass zwar noch sehr jung ist aber eines gezeigt hat: Die Bauern sind noch für gemeinsame Aktionen zu mobilisieren, sie können (oder könnten?) zusammenhalten und gemeinsam etwas bewegen. Man muss nicht, wie der dumme alte Witz sagt, vier Bauern in einen Sack stecken und fünf erschlagen, um eine gemeinsame Meinung zu bekommen. Es geht auch mit Reden, ganz ohne Erschlagen.

Den Hetzern nicht das Feld überlassen

Die Warnung Dickows vor einer neuen Spaltung in der Landwirtschaft muss ernst genommen werden. Die gemäßigten Landwirte dürfen sich nicht von den Hetzern in Ecken drängen lassen. Sie dürfen nicht schweigen, wenn die Spalter schreien. Sie müssen nicht die große Bühne besteigen. Jeder kann in seinem Umfeld etwas tun. Die grüne Branche muss miteinander im Gespräch bleiben. Auch über Milchmengensteuerung, die gerade von den Schreiern viel zu eng definiert wird. Zu den Hetzern muss man „stopp“ sagen. Sonst finden wir uns bald wieder in der schlechten alten Zeit wieder, als die Dörfer und Familien zerrissen waren und Wunden geschlagen wurden, die bis heute noch immer nicht ganz verheilt sind – ohne, dass dadurch etwas für die die immer weniger werdenden Bauern erreicht wurde.
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