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Wintertagung

DLG Wintertagung: Druck von allen Seiten

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am Donnerstag, 11.02.2021 - 10:13 (Jetzt kommentieren)

DLG-Präsident Hubertus Paetow eröffnete die digitale Wintertagung mit Hoffnung und Herausforderungen in Zeiten der Pandemie.

Unter dem Titel "Druck von allen Seiten" eröffnete DLG-Präsident Hubertus Paetow heute die digitale DLG-Wintertagung. Die Pandemie beschleunige viele Entwicklungsprozesse in der Landwirtschaft. Nachdem kurz die Systemrelevanz der Landwirtschaft gefeiert wurde, sei nun die gesellschaftliche Kritik am Agrarsystem in unverminderter Intensität zurückgekehrt, beschreibt er. "Kükentöten, Gemeinsame Agrarpolitik und Insektenschutz bleiben auch ohne Grüne Woche auf der Tagesordnung und auch die Proteste unserer Berufskollegen zeigen, wie drängend die Fragen aus der Branche sind." Die Landwirtschaft stehe unter Druck von allen Seiten. Dieser Druck müsse die Branche in einen positiven Impuls verwandeln.

Umbau zu einer ökologisch und ökonomisch tragfähigen Landwirtschaft

Paetow sieht diesen positiven Impuls in einer Transformation, die den Umbau und die Weiterentwicklung hin zu einer nachhaltigen, ökologisch und ökonomisch tragfähigen und gesellschaftlich akzeptierten Landwirtschaft. Dies seien die Forderungen der Politik und der Gesellschaft. "Für uns Unternehmer ist das nichts neues, Umbau und Transformation sind unser täglich Brot. Neue Märkte, neue Preise, neue Technologien, neue Kunden, neue Gesetzeslagen… die Transformation ist unser Wegbegleiter", beschreibt er.

Deutschland und die EU erlebten derzeit den Versuch eines Umbaus der Wirtschaft und der Gesellschaft. "Angesichts des Klimawandels führt die EU den Green deal ein, der darauf angelegt ist, die grundsätzlichen Herausforderungen des Klimawandels durch neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Regelmechanismen zu beantworten. Heruntergebrochen auf die Landwirtschaft bedeutet das: EU-Farm-to-fork-Strategie und EU-Biodiversitätsstrategie", sagt Hubertus Paetow.

Düngeverordnung und Insektenschutzgesetzt - grundlegende Veränderung unserer Wirtschaft

Auf nationaler Ebene werden derzeit die neue Düngeverordnung und das Insektenschutzgesetz eingeführt. Damit erhielten ökologische Belange einen bisher nicht gekannten Stellenwert bei der Ausformulierung der wirtschaftlichen Leitlinien. "Dies kann man schon als eine rundlegende Veränderung unseres Wirtschaftssystems verstehen", sagt Paetow. Der Wandel von einer sozialen Marktwirtschaft zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft sei im vollen Gange.

"Und in diesem Geschehen müssen wir als Agrarbranche unseren hohen und wichtigen Stellenwert behaupten, indem wir die Entwicklung aktiv mitgestalten. Indem wir Klima- und biodiversitätskonformes Verhalten in die wirtschaftlich-produktiven Abläufe unserer Unternehmen integrieren und die Nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft vorantreiben", sagt er.

Herausforderungen: Landwirte als Unternehmer und Strategen

Landwirte müssten sich in dieser Wandlungszeit nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Strategen verstehen. Es reiche nicht mehr aus sich nur mit Fragen des Pflanzenernährung oder der Fütterung zu beschäftigen.

  • Wie gehe ich mit Tierwohlanforderungen vor dem Hintergrund von Baurecht und Investitionszyklen um?
  • Welche Möglichkeiten habe ich in der Fruchtfolge, auf Einschränkungen bei Düngung und Pflanzenschutz zu reagieren?
  • Welche Möglichkeiten bieten sich meinem Betrieb in der dezentralen Energieerzeugung, wenn sich die Ausbaupfade ändern?

Diese Fragen müssen landwirtschaftliche Unternehmer für sich beantworten und Pläne für diese Szenarien entwickeln. Es reiche dabei nicht mehr aus allein auf die Finanzierung, auf die Rentabilität und die vorhandenen Kapazitäten zu schauen.

Feste Lieferketten als Alternative in Krisenzeiten

Die Landwirtschaft müsse dabei auch über die Rolle in der Kette nachdenken. Gut funktionierende, feste Lieferbeziehungen könnten in der Krisensituation für viele Betriebe eine Alternative sein. Dies gelte vor allem, wenn es dadurch auch gelingt, aus der engen Zusammenarbeit auch noch einen Mehrwert für den Kunden zu erzeugen, zum Beispiel eine garantierte, transparente Prozessqualität wie im ökologischen Landbau oder bei regionalen Produkten, meint Hubertus Paetow. Auch in Zukunft müsse die Landwirtschaft in Deutschland selbstbewusst durch große Leistungen und ihre Möglichkeiten bei der Bewirtschaftung und Bewahrung von Kulturlandschaften überzeugen. 

"Wir verstehen diese Trends nicht als Angriff auf unser Tun oder auf unsere Person, sondern als Ansporn für eine Weiterentwicklung unserer respektierten und akzeptierten Landwirtschaft. Und wenn jeder von uns am Ende dieser Tagung etwas gelassener, neugieriger aber auch mutiger und entschlossener über seinen Zukunftsbetrieb und sich selbst als Zukunftslandwirt nachdenkt, dann haben wir unser Ziel erreicht und die richtigen Impulse für den Fortschritt gegeben", erklärt Hubertus Paetow.

Mit Material von DLG

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