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Witterungsschäden

Dürre: EU-Kommission plant begrenzte Erleichterungen

Durch Trockenheit geschädigter Mais
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
17.07.2018

EU-Agrarkommissar Phil Hogan will den dürregeschädigten Landwirten mit Ausnahmen vom Greening und vorgezogenen Direktzahlungen helfen.

EU-Agrarkommissar Phil Hogan

Im Anschluss an die Sitzung der EU-Landwirtschaftsminister gestern in Brüssel kündigte Hogan an, die Mitgliedstaaten dürften - wie im vorigen Jahr - einen Abschlag von bis zu 70 Prozent auf Zahlungen aus der ersten Säule bereits im Oktober gewähren. Das sind in erster Linie die Direktzahlungen. In der zweiten Säule soll der Abschlag bis zu 85 Prozent betragen dürfen.

Regulär werden diese Zahlungen erst im Dezember überwiesen. Die vorgezogene Überweisung soll über Liquiditätsengpässe hinweghelfen.

Aus deutschen Regierungskreisen verlautete allerdings, eine vorzeitige Auszahlung werde nicht angestrebt, da die administrative Belastung vergleichsweise hoch sei. Zudem könnten bei potenziellen Vergehen einzelner Landwirte Probleme bei der Rückforderung der dann bereits gezahlten Gelder entstehen.

Brachen für die Futtergewinnung nutzen

Im Agrarrat hatten vor allem Polen und Schweden auf die finanziellen Einbußen der Landwirte durch die Trockenheit und die angespannte Versorgung mit Grundfutter hingewiesen.

Die Kommission will darum den baltischen Republiken, Polen, Finnland, Dänemark und Schweden sowie Portugal die Nutzung von Biodiversitäts- und Bracheflächen für die Futtergewinnung genehmigen.

Deutschland hatte keinen Antrag gestellt. Allerdings haben zahlreiche Bundesländer ohnehin die Nutzung von ökologischen Vorrangflächen zur Entschärfung der Futterknappheit zugelassen.

Kein Griff in die Krisenreserve

Kein Entgegenkommen zeigte Hogan bei der Krisenreserve. Schwedens Agrarminister Sven Erik Bucht hatte darauf gedrängt, den Krisenfonds zu aktivieren.

Das lehnte Hogan ab. Seiner Auffassung nach werden sich die Ernteeinbußen zu spät in den landwirtschaftlichen Einkommen niederschlagen, um noch im laufenden Haushaltsjahr einen Ausgleich aus der Krisenreserve zu zahlen.

Österreich will GAP-Reformgespräche vorantreiben

Die österreichische Familienministerin Juliane Bogner-Strauß

Die gestrige Sitzung war die erste unter österreichischem Vorsitz. Dabei stellte die österreichische Familienministerin Juliane Bogner-Strauss in Vertretung von Agrarministerin Elisabeth Köstinger das Arbeitsprogramm der Präsidentschaft für das zweite Halbjahr vor. Im Mittelpunkt werden die EU-Agrarreform 2020 und Maßnahmen gegen unlautere Praktiken des Lebensmitteleinzelhandels stehen.

Zahlreiche Mitgliedstaaten drängten im Ministerrat auf eine stärkere Vereinfachung der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2020. Die Vorschläge der EU-Kommission betrachten sie in diesem Punkt als unzureichend. Hogan verteidigte seinen Ansatz der Verlagerung wesentlicher Entscheidungen auf die Mitgliedstaaten. Die GAP werde deutlich einfacher, wenn die Mitgliedstaaten ihren neuen Spielraum richtig nutzten, versicherte der Ire.

Mit Material von Agra-Europe
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