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Klimawandel und Landwirtschaft

Emissionshandel und tierarme Produktion

am Freitag, 16.11.2018 - 13:54 (Jetzt kommentieren)

Der Klimawandel ist eine große Herausforderung für die Landwirtschaft. Auf einer Tagung in Berlin wurden Strategien der Anpassung und Vermeidung diskutiert.

Freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft reichen nicht aus, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen. Davon ist Prof. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) überzeugt.

Deshalb fordert Lotze-Campen die Ausweitung des Emissionshandels auf alle Wirtschaftsbereiche. Insgesamt seien Netto-Nullemissionen nötig, betonte der Agrarökonom beim zweitägigen Forum „Klimaanpassung und Klimaschutz“ in Berlin. Dieses wurde vom Deutschen Bauernverband (DBV) und der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) ausgerichtet.

CO2-Preis von 300 bis 400 Euro je Tonne

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Der Klimawandel sei eine große Herausforderung für die Landwirtschaft, unterstrich Lotze-Campen. Alles, was an Emissionen nicht vermieden werden könne, müsse kompensiert werden.

Ein wichtiges Instrument dafür sei der Emissionshandel. Nach Ansicht des Wissenschaftlers würde ein CO2-Preis von 300 Euro bis 400 Euro je Tonne für „ehrliche Endverbraucherpreise“ sorgen.

Damit nehmen man die Konsumenten in die Mitverantwortung und gebe eindeutige Produktionsanreise für die Emittenten.

Extrem tierarme Produktion?

Mutterkuh auf Weide

Da Emissionen aus der Landwirtschaft hauptsächlich aus der Tierhaltung stammten, müsse man ehrlich über „extrem tierarme“ Produktionssysteme reden, sagte Lotze-Campen außerdem.

Auch die Stickstoffproblematik müsse angegangen werden. Er bezeichnete sie als den „Dieselskandal der Landwirtschaft“. Gleichzeitig verwies der Wissenschaftler auf die Kohlenstoffbindung im Boden und den Humusaufbau, deren Anrechnung auf die Emissionsbilanzen auch eine Chance für die Landwirtschaft im Klimawandel darstellten.

Anpassung dient der Existenzsicherung

Mehr als 100 Teilnehmer aus Ministerien, Verbänden, Wissenschaft und Praxis diskutierten auf der Veranstaltung, wie Klimaanpassung und Klimaschutz in der Landwirtschaft erfolgreich sein können.

„Die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel ist für die Gesellschaft und die landwirtschaftlichen Betriebe kein Luxusthema, sondern eine Frage der Versorgungssicherheit und der Existenz, betonte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken. 

Nicht nur der Dürresommer, sondern auch die gehäuften Extremwetterereignisse der zurückliegenden Jahre hätten die Notwendigkeit einer verstärkten Klimaanpassung eindrücklich gezeigt.

Verbindung von Theorie und Praxis

Auf dem Forum wurden zahlreiche Vorschläge aus der Wissenschaft und der Unternehmensforschung präsentiert. Diese wurden dann jeweils von Landwirten aus der betrieblichen Erfahrung bewertet und kommentiert.

„Landwirte sind die Hauptbetroffenen des Klimawandels und tragen gleichzeitig die Verantwortung, die Ernährung für die Bevölkerung sicherzustellen. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis sowie die Überprüfung der Praxistauglichkeit sind daher die fundamentale Voraussetzung dafür, dass neue Erkenntnisse auf dem Feld auch umgesetzt werden“, so Krüsken.

Der DBV bekenne sich mit seiner Klimastrategie 2.0 zu ambitionierten Klimazielen und schlage praktische sowie pragmatische Maßnahmen für den Klimaschutz vor.

Mit Material von AgE, DBV

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