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Welthunger und Armut

Entwicklungsminister Müller fordert Agrarrevolution gegen den Hunger

Kinderhände halten eine kleine Portion Reis
am Montag, 12.10.2020 - 17:00 (1 Kommentar)

Während die EU über eine Extensivierung und damit Verringerung der Agrarproduktion im Zuge des „Green Deal“ berät, fordert Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung das Gegenteil: Um den Hunger auf der Welt zu bekämpfen, seien radikale Agrarreformen und hohe Investitionen nötig, betont Müller.

Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller

„Hunger ist und bleibt der größte vermeidbare Skandal. Der Planet hat die Ressourcen, zehn Milliarden Menschen zu ernähren“, sagte der CSU-Politiker am Montag.

Er verwies auf zwei neue internationale Studien, nach denen jährlich 14 Milliarden Dollar (11,9 Milliarden Euro) zusätzliche Investitionen und eine „Agrarrevolution“ notwendig sind, um den Hunger in den nächsten zehn Jahren zu besiegen.

„Dies darf nicht am politischen Willen scheitern“, betonte der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Forscher fordern Investitionen in Saatgut und Bewässerung

An den Studien, die morgen (13.10.) auf einer Konferenz vorgestellt werden, waren die Cornell University im US-Bundesstaat New York, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), das International Food Policy Research Institute (IFPRI) und das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn beteiligt.

Die Wissenschaftler schlagen Investitionen unter anderem in besseres Saatgut und eine bessere Bewässerung vor. Um alle Menschen zu ernähren, müsse die Landwirtschaftsproduktion bis 2050 um 60 Prozent steigen.

Die Zahl der Hungernden nimmt weltweit wieder zu

Müller betonte, dass Deutschland inzwischen rund 2 Milliarden Euro pro Jahr in Ernährungssicherung und ländliche Entwicklung investiere und damit doppelt so viel wie 2013. Damit sei die Ernährung von 20 Millionen Menschen gesichert worden und acht Millionen Menschen seien aus Hunger und Mangelernährung geführt worden. 

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Hungernden weltweit aber wieder gestiegen. Zurückgeführt wird diese Entwicklung vor allem auf Konflikte und Bürgerkriege wie in Syrien oder im Jemen. Hinzu kommen die Heuschreckenplage in Ostafrika, der Klimawandel und aktuell die Corona-Pandemie.

Corona wirkt wie ein Brandbeschleuniger

Die Welthungerhilfe befürchtet eine drastische Zunahme von Hunger und Armut weltweit durch die Corona-Pandemie.

Besonders in Afrika südlich der Sahara und in Südasien sei die Situation schon vor der Pandemie alarmierend gewesen, sagte die Präsidentin der Organisation, Marlehn Thieme, am Montag bei der Vorstellung des Welthunger-Index 2020 in Berlin. „Covid-19 wirkt wie ein Brandbeschleuniger.“ Zusätzlich werde die Situation durch die Folgen des Klimawandels wie zunehmende Dürrekatastrophen verschärft. 

Zu geringe Fortschritt im Kampf gegen den Hunger

Laut Welthungerindex steigt die Zahl der Hungernden weltweit seit fünf Jahren wieder, Ende 2019 waren es fast 690 Millionen Menschen in rund 50 Ländern. In 14 Ländern hat sich die Situation seit 2012 verschlechtert.

Die Welthungerhilfe befürchtet nun, dass das Ziel der Vereinten Nationen, den Hunger bis 2030 zu besiegen, weit verfehlt werden könnte. „Wenn wir bei der Hungerbekämpfung weiter so machen wie bisher, werden es 37 Länder bis 2030 nicht schaffen, ein niedriges Hungerniveau zu erreichen“, sagte Thieme. Die Fortschritte seien viel zu gering.

Mit Material von dpa
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