Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Carbon Farming

EU-Kommission will Landwirte für Kohlenstoffbindung belohnen

Moorboden
am Mittwoch, 15.12.2021 - 16:30 (11 Kommentare)

Die EU-Kommission will ein System einrichten, um Land- und Forstwirte für die Bindung von Kohlenstoff zu belohnen. Die CO2-Speicherung soll dazu beitragen, die Klimaziele der Europäischen Union zu erreichen. Der Bauernverband warnt vor einer Fehlausrichtung der Landwirtschaft.

Noch im kommenden Jahr will die EU-Kommission einen Rechtsrahmen für die Zertifizierung der CO2-Speicherung vorschlagen. Das kündigte die Brüsseler Behörde heute (15.12.) in einer Mitteilung an.

Land- und Forstwirte sollen danach mehr klimaschädliches CO2 im Boden und in Pflanzen speichern und dafür eine Entschädigung erhalten. „Bis 2030 sollten Initiativen für eine klimaeffiziente Landwirtschaft zur Speicherung von 42 Millionen Tonnen CO2 in natürlichen CO2-Senken in Europa beitragen“, teilte die Kommission mit. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2020 laut Umweltbundesamt schätzungsweise 739 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt. Dass künftig mehr CO2 gebunden wird, soll unter anderem dadurch erreicht werden, dass mehr Geld für entsprechende Lösungen angeboten wird. 

Diese Maßnahmen plant die EU-Kommission für Carbon Farming

Frans Timmermans

EU-Kommissionsvize Frans Timmermans versprach, die neuen EU-Maßnahmen würden dazu beitragen, neue Geschäftsmöglichkeiten für Landwirte, Forstwirte und andere Landbewirtschafter in der klimaeffizienten Landwirtschaft zu schaffen.

Drei Maßnahmen-Schwerpunkte plant die Kommission:

  1. Die Förderung von Verfahren der klimaeffizienten Landwirtschaft im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und anderer EU-Programme sowie durch nationale öffentliche und private Mittel;
  2. eine Standardisierung der Überwachungs-, Berichterstattungs- und Überprüfungsmethoden, die erforderlich sind, um einen klaren und zuverlässigen Zertifizierungsrahmen zu schaffen und um die Entwicklung freiwilliger CO2-Märkte zu ermöglichen;
  3. die Bereitstellung von besserem Wissen, Datenmanagement und maßgeschneiderten Beratungsdiensten.

Dekarbonisierung stärken und Einkommen generieren

EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski betonte, Landwirtschaft und Forstwirtschaft seien Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel, da sie dessen Auswirkungen abmildern, indem sie CO2 aus der Atmosphäre entfernen.

„Die klimaeffiziente Landwirtschaft wird den Beitrag der Land- und Forstwirte zur Dekarbonisierung unserer Wirtschaft stärken, indem sie den Landwirten zusätzliche Einnahmen verschafft und gleichzeitig die biologische Vielfalt schützt, landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegen Naturkatastrophen macht und Ernährungssicherheit gewährleistet“, so der Pole.

Vorrangige Aufgabe ist die Produktion von Lebensmitteln

Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnte in einer ersten Reaktion auf die Ankündigung der Kommission allerdings vor einer Fehlausrichtung. „Die vorrangige Aufgabe der Landwirtschaft besteht in der Erzeugung von sicheren und hochwertigen Lebensmitteln. Die Bindung von Kohlenstoff kann als zusätzliche Klimaschutzleistung erbracht werden“, so DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Der Bauernverband kritisierte die in Teilen geplante Integration von „Carbon Farming“ in die EU-Agrarpolitik, die geplante Stilllegung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen sowie die Verknüpfung mit ordnungsrechtlichen Umweltauflagen.

Die Beschränkung auf die GAP werde dem Potenzial von Carbon Farming nicht gerecht und die breitflächige Umsetzung ausbremsen, mahnte Krüsken. Die zusätzliche Klimaleistung müsse durch zusätzliche Mittel beispielsweise aus dem Emissionshandel finanziert werden. Positiv bewertete der DBV das Ziel, private Anbieter stärker zu berücksichtigen.

AbL: Böden sind keine CO2-Lager

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft begrüßte, dass Bauern künftig besser für Klimaschutz bezahlt werden sollen. Kritisiert wird aber, dass der Fokus nicht darauf gelegt werde, Emissionen insgesamt zu reduzieren. Böden und Humus seien keine „CO2-Lager“ zur Kompensation der fossilen Energienutzung, sondern vor allem die Grundlage für bäuerliche Existenz, so die Interessensgemeinschaft.

Mit Material von dpa
Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Januar 2022
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...