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Düngemittelpreise

EU-Kommission will Versorgung der Landwirte mit Dünger stärken

Mineraldüngung
am Donnerstag, 06.10.2022 - 14:09 (2 Kommentare)

Die EU-Kommission bereitet eine Strategie zur Stabilisierung der Düngerversorgung in der Europäischen Union vor.

Janusz Wojciechowski

Die Brüsseler Kommission will bis Ende Oktober eine Düngemittelstrategie vorlegen. Das kündigte EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski heute (6.10.) im Europäischen Parlament an.

Hintergrund sind die extrem hohen Preise für Mineraldünger und knappe Düngerversorgung, ausgelöst vor allem durch den Anstieg der Gaspreise und das Ausbleiben der Düngerimporte aus Russland.

In einer Aussprache mit den EU-Abgeordneten mahnte Wojciechowski, eine sichere Lebensmittelversorgung in Europa könne nicht darauf aufbauen, die notwendigen Mineraldünger zu importieren. Vor allem die hohe Abhängigkeit von Mineraldünger aus Russland und Belarus ist der Kommission ein Dorn im Auge.

Wirtschaftsdünger besser nutzen

Nach den Worten von Wojciechowski wird die EU-Düngemittelstrategie auf eine Stärkung der Düngerindustrie in der Europäischen Union abzielen. Die „gefährliche Abhängigkeit“ von Einfuhren soll beendet werden.

Zugleich setzt die Kommission darauf, den Bedarf der Landwirtschaft an Mineraldünger zu verringern. Dazu sollen eine effiziente, präzise Ausbringung von Nährstoffen, aber auch eine optimierte Nutzung von Wirtschaftsdünger beitragen.

Produktion von Stickstoffdünger in der EU erheblich eingeschränkt

Wojciechowski verwies darauf, dass die Düngerpreise in der EU von September 2021 bis September dieses Jahres um 149 Prozent gestiegen seien. Wegen der hohen Erdgaspreise habe die Düngerindustrie in der EU die Produktion von Stickstoffdünger teilweise eingestellt oder um bis zu 70 Prozent reduziert.

Dass es bisher nicht zu Versorgungsengpässen gekommen sei, führte der Pole auf eine um 20 Prozent verringerte Nachfrage der Landwirte nach Mineraldünger und höhere Einfuhren aus anderen Exportländern als Russland zurück.

Aufhebung der Antidumping-Zölle umstritten

Der EVP-Abgeordnete Herbert Dorfmann begrüßte die Absicht der Kommission, eine Düngemittelstrategie vorzulegen. Notwendig sei aber nicht nur eine Kommunikation, sondern auch Geld für die Umsetzung der Strategie, unterstrich Dorfmann.

Ebenfalls für die EVP forderte der Abgeordnete Norbert Lins die Kommission auf, alle Antidumping-Maßnahmen für die Einfuhr von Düngemitteln aufzuheben. Wojciechowski wies darauf hin, dass die Kommission die Aufhebung bestimmter Einfuhrzölle vorgeschlagen habe. Die Abschaffung aller Antidumping-Maßnahmen sieht der Pole allerdings kritisch, weil dadurch langfristig die europäische Düngemittelindustrie gefährdet werden könnte.

Kreislaufwirtschaft stärken

Martin Häusling erinnerte an die aktuell riesigen Gewinnsprünge in der Mineraldüngerindustrie. Subventionen für die Düngerindustrie hält der Grüne daher in der jetzigen Situation für den falschen Weg. In der EU gebe es ohnehin ein Problem der Nährstoffüberversorgung, sagte Häusling. Der Abgeordnete plädierte dafür, organische Dünger besser einzusetzen und mehr Leguminosen anzubauen.

Mehrere Abgeordnete vertraten die Auffassung, dass der Kreislauf der Nährstoffe durch eine bessere Verteilung der Tierbestände gestärkt werden sollte. Während die Viehbestände in einigen Regionen Europas und damit auch deren organischer Dünger konzentriert seien, sei die Nutztierhaltung in anderen Regionen geradezu „ausgestorben“.

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