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Biodiversität

EU-Umweltagentur: Kein Ende in Sicht beim Artensterben

Feldhamster auf einer Grünfläche
am Montag, 19.10.2020 - 13:57 (1 Kommentar)

Einem Bericht der europäischen Umweltagentur EEA zufolge reichen die Maßnahmen der EU-Mitgliedstaaten gegen den Artenrückgang bei Weitem nicht aus.

Bei einem Großteil der geschützten Arten und Lebensräume habe sich der Erhaltungszustand nicht gebessert und sei weiterhin unzureichend, heißt es in dem EEA-Bericht. Naturschutzrichtlinien und Umweltvorschriften würden nicht im notwendigen Maße verwirklicht.  

Der heute in Kopenhagen vorgestellte Bericht ist laut EEA die umfangreichste Datensammlung zum Zustand der Natur, die es in Europa je gegeben hat. Im Zeitraum von 2013 bis 2018 wurden die Daten auf Grundlage von Länderangaben zum Arten- und Lebensraumschutz zusammengetragen.

Einer der Verursacher: die intensive Landwirtschaft

Die intensive Land- und Forstwirtschaft seien verantwortlich am Zurückdrängen zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. EEA-Generaldirektor Hans Bruyninckx wies darauf hin, dass an der Lebensmittelproduktion und am -konsum, der Verwaltung und Nutzung von Wäldern und auch am Städtebau ein grundlegendes Umdenken stattfinden müsse. Gleichzeitig müsse der Naturschutz besser umgesetzt werden. Die immer größer werdenden Ziele beim Klimaschutz sollten insbesondere im Transport- und Energiebereich umgesetzt werden, so Bruyninckx.

Aber auch sich immer weiter ausdehnende Siedlungsgebiete seien verantwortlich für den Rückgang spezieller Lebensräume, beispielsweise Dünen- oder Felslandschaften. Hinzu käme die Umweltverschmutzung.

Schlechte Zustände überwiegen

EEA-Experte Carlos De Oliveira Romao machte darauf aufmerksam, dass sich in Deutschland und anderen EU-Staaten mehr Naturräume und Arten in mangelhaftem bis schlechtem Zustand befänden als in gutem Zustand.

So sei der Zustand von 63 Prozent der etwa 1400 Arten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 92/43/EEC mangelhaft oder schlecht. Die Verfassung der Lebensräume sei sogar zu 81 Prozent nicht ausreichend und nur zu 15 Prozent gut. Darüber hinaus hätten sich die Zustände der Wiesen, Dünen und Moore stark verschlechtert. Am besten sei die Verfassung der Wälder bewertet worden.

Ebenfalls gesunken - auf 47 Prozent - sei der Anteil der 463 Wildvogelarten aus der Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG, die sich in einem guten Zustand befinden. Dagegen habe sich der Anteil der Wildvögel in mangelhaftem oder schlechtem Zustand um sieben Prozent auf 39 Prozent erhöht. 

Zu den Ergebnissen sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius: „Diese Bewertung des Zustands der Natur zeigt sehr deutlich, dass wir weiter unser unverzichtbares Lebenserhaltungssystem verlieren.“ In der Umsetzung der neuen EU-Biodiversitätsstrategie sehe Sinkevicius einen Weg, um die Entwicklung umzukehren.

Nur wenig Lichtblicke

Verbesserungen beim Erhaltungszustand geschützter Arten und Lebensräume gebe es vor allem auf lokaler Ebene. Diese Beispiele müssten in Anzahl und Umfang zunehmen, um der aktuellen Entwicklung entgegenzuwirken, sagt Romao.

In Deutschland hätten sich beispielsweise die Bestände der Singschwäne, Kleiber und Graugänse stabilisiert. Durch zwei Projekte hätte zudem im Rhein der Maifisch wiederangesiedelt werden können. 

Insgesamt seien aber in den letzten sechs Jahren keine deutlichen Verbesserungen zu verzeichnen gewesen. "Das sind beunruhigende Neuigkeiten", so der EEA-Experte Romao. 

WWF-Vorstandsmitglied Christoph Heinrich bezeichnete die Anzahl der Tierarten als "historische Tiefstände". Er sehe auf politischer Ebene jedoch Möglichkeiten, "eine historische Trendwende einzuleiten. Denn mit Entscheidungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), der EU-Biodiversitätsstrategie und Fangquoten für die Ostsee werden die Weichen für die nächsten Jahre gestellt", erläutert Heinrich. 

Mit Material von dpa
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