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Bodenschutz

Experten kritisieren ungebremsten Flächenfraß

Neubau einer Gewerbefläche
am Freitag, 08.05.2020 - 09:35 (2 Kommentare)

Täglich werden noch immer rund 60 Hektar versiegelt. Die Politik muss endlich mehr tun gegen den Flächenfraß, fordern Experten.

Um das Ziel zu erreichen, das Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen, braucht es verstärkte Anstrengungen. Darauf haben Fachleute in einem öffentlichen Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung diese Woche in Berlin gepocht. Stattdessen hat die Politik das ursprünglich für 2020 vorgesehene Ziel inzwischen auf 2030 verschoben.

Notwendig sei ein stärkerer Fokus auf kompaktere Siedlungsformen beziehungsweise auf den Vorrang der Innen- vor der Außenentwicklung, sagte Professor Dirk Löhr von der Hochschule Trier. Thomas Preuss vom Deutschen Institut für Urbanistik forderte, ökonomische Fehlanreize abzubauen. Stefan Petzold vom NABU-Bundesverband betonte, Ziel müsse sein, so schnell wie möglich zu einem Netto-Null-Flächenverbrauch zu gelangen.

Bodenschutz muss gelebt werden

Demo-Landfraß_Erlangen

Der Flächenverlust liege derzeit bei 60 Hektar pro Tag, was über das Jahr gesehen der Fläche von Frankfurt am Main entspreche, sagte Petzold und forderte, Flächen besser vor Bebauung zu schützen. Er verwies auf die Bodenschutzklausel in Paragraf 1a des Baugesetzbuches, "die gelebt werden muss". Darin heißt es: "Mit Grund und Boden soll sparsam und schonend umgegangen werden".

Der Boden, so der NABU-Vertreter, habe mehrere Funktionen. Er sei beispielsweise nach den Ozeanen der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher. "Effektiver Bodenschutz ist also auch Klimaschutz", sagte Petzold. Der Flächenverbrauch habe aber auch ökonomische Auswirkungen, wie etwa hohe Infrastrukturkosten für Neubauprojekte.

Gewerbegebiete auf der "grünen Wiese" werden noch immer subventioniert

Die Hauptursache des anhaltend hohen Flächenverbrauchs findet sich laut Thomas Preuss nicht im Baurecht an sich. Bund und Länder, so seine Forderung, müssten ökonomische Fehlanreize abbauen. Es gelte, alle relevanten Förderprogramme systematisch auf ihre Vereinbarkeit mit flächenpolitischen Zielstellungen zu überprüfen.

Noch immer würden mit Mitteln aus der "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" neue Industrie- und Gewerbegebiete auf der "grünen Wiese" subventioniert. Hier sei - gerade in den strukturschwachen Gebieten - ein grundsätzliches Umdenken erforderlich.

Verbindliche Ziele für den Flächenverbrauch vorgeben

Professor Dirk Löhr sagte, es könne nur gesteuert werden, "was auch gemessen wird". Daher seien verbindliche, auf die verschiedenen staatlichen Ebenen heruntergebrochene Flächenverbrauchsziele erforderlich.

Gute Steuerungsmöglichkeiten bestünden vor allem auf der Angebotsseite für Bauland. Bevor Bauland ausgewiesen werde, sollten verpflichtende Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen vorgenommen werden, die auch die Folgekosten berücksichtigen, regte er an. In den letzten Jahren, sei das Thema Flächensparen hinter den Ruf nach bezahlbarem Wohnraum zurückgetreten.

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