Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

EU-Kommission

Faktencheck: Kein Pflanzenschutz auf einem Viertel der Agrarfläche?

Naturschutzgebiet
am Freitag, 29.07.2022 - 12:50

DIe Nachricht sorgt bei Landwirten für Entsetzen und Kopfschütteln: Die EU-Kommission plane ein Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten. Und zwar in ALLEN Schutzgebietskategorien.

Dieser Tage sorgt eine Meldung für Aufsehen, wonach die EU ein Pflanzenschutzverbot in allen Gebieten quasi schon umsetzt. 45.000 Quadratkilometer Acker- und Glünland wären betroffen, rund ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichen Fläche. Deutschland ist ein Flickenteppich aus Wald, Äckern, Wiesen, vielen Straßen und Städten. Um Natur und Umwelt zu schützen, gibt es verschiedene unterschiedlich strenge Schutzgebietskategorien. Es gibt eine Karte, die diese Schutzgebiete erfasst..  (Hier finden Sie die Karte.)

Zu Recht würden sich die Bauern darüber aufregen. Doch sieht man sich die Pläne und Flächen genauer an, kann der Puls wieder etwas runtergehen. Ein Faktencheck.

Welche Flächen stehen unter Schutz in Deutschland?

Wie die einzelnen Teile des Landes behandelt werden, regeln Landesnaturschutzgesetze und das Bundesnaturschutzgesetz. Hinzu kommen internationale Vereinbarungen und Regeln der EU. Deutschland hat eine Fläche von insgesamt 357.587 Quadratkilometer. Die Landwirtschaftsfläche beträgt 50,6 Prozent oder 180.934 Quadratkilometer. Die Waldfläche: 29,8 Prozent, 106.666 Quadratkilometer. Dazu eine Wasserfläche von 2,3 Prozent, 8194 Quadratkilometer. Schließlich die Fläche für Siedlungen und Verkehr 14,5 Prozent, 50.196 Quardatkilometer. Dazu noch ein paar Abbaugebiete, Gehölze etc.

Demgegenüber stehen auf 6,3 Prozent der Landesfläche Naturschutzgebiete, 0,6 Prozent Nationalparke, vier Prozent Biosphärenreservate, 28 Prozent Naturparke, 26 Prozent Landschaftsschutzgebiete und 15 Prozent Natura-2000-Gebiete. Zusammenzählen darf man das nicht so ohne Weiteres, weil die Gebiete sich mitunter überlappen.

Wer hat die meisten Schutzgebiete?

Deutschland hat in der EU die meisten Schutzgebiete, nämlich 23.000. Sie sind oft sehr klein und auf der Ebene der Bundesländer ausgewiesen, was zu einer großen Anzahl von Standorten führt. Dies führt auch dazu, dass eine Karte von Deutschland so aussieht, als ob es fast vollständig erfasst wäre. In Wirklichkeit sind etwa 37 Prozent der Fläche durch verschiedene Arten von Schutzgebieten abgedeckt. Allerdings gelten beispielsweise in Natura-2000-Gebieten andere Regeln als in Landschaftsschutzgebieten.

Was hat die EU-Kommission entschieden?

Noch gar nichts. Bislang will die EU-Kommission den Einsatz der Mittel bis 2030 um die Hälfte reduzieren. In Schutzgebieten - und auch in Siedlungsgebieten - soll er ganz verboten sein. Gemeint sind bislang aber vor allem Natura-2000-Gebiete. Frans Timmermans, Vizepräsident der EU-Kommission, hat Ende Juni den Entwurf zu der entsprechenden Verordnung vorgestellt. Sie würde die alte Pflanzenschutzrichtlinie ersetzen. Von diesen Natura-2000-Gebieten sind 40 Prozent landwirtschaftlich genutzt. Also, statt betroffene 45.000 Quadratkilometer nur mehr 20.000 Quadratkilometer. Immer noch eine ganze Menge.

Was bedeutet das für Landwirte?

Betroffen wären von den Plänen, so sie denn durchkommen, auch Flächen, die sehr hohe Erträge bringen. Bauernvertreter sehen das kritisch. Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes sagte dazu: „Landwirte leisten bereits erhebliche Maßnahmen für den Erhalt der Biodiversität und haben die Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Vergangenheit deutlich reduziert.“ Obendrein ist es bei hohen Energiekosten schon im wirtschaftlichen Interesse, sparsam mit den Ressourcen umzugehen.