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Farm to Fork: EU-Kommission hat kritische Studie um Monate verschleppt

EU-Kommission
am Montag, 11.10.2021 - 16:35 (1 Kommentar)

Die EU-Kommission hat eine Untersuchung ihrer umstrittenen Farm-to-Fork-Strategie um Monate verzögert.

Das belegen behördeninterne E-Mails, die das Brüsseler Nachrichtenportal Euractiv einsehen konnte. Danach hätte eine Untersuchung der Farm-to-Fork-Strategie durch die Forschungsstelle der EU (GFS) bereits im Januar 2021 veröffentlicht werden können.

Doch obwohl zahlreiche Stimmen aus der Landwirtschaft seit längerem eine Folgenabschätzung des Green Deals und der dazugehörenden Agrarstrategie einforderten, zog die EU-Kommission es vor, die kritische Analyse ihrer Forschungsstelle erst im August der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das ist genau der eine Monat in jedem Kalenderjahr, in dem der Brüsseler Politik- und Medienbetrieb zuverlässig ruht, also mit der geringsten medialen Aufmerksamkeit zu rechnen ist.

Wojciechowski argumentiert mit Zweifeln an der Methodik der Studie

Laut Euractiv soll der Chef der Generaldirektion Landwirtschaft in der EU-Kommission (DG AGRI), Dr. Wolfgang Burtscher, seinen EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski frühzeitig darauf hingewiesen haben, dass der Bericht im Januar 2021 veröffentlicht werden könne. Das Umfeld des Agrarkommissars habe aber aufgrund des sensiblen Inhalts die Veröffentlichung auf den August verschoben, so von Euractiv zitierte Quellen.

Wojciechowski erwiderte auf Twitter, dass sich die Veröffentlichung der Studie vor allem aufgrund fachlicher Diskussionen über die Methodik verzögert habe. Schließlich habe man sich jedoch entschieden, die Untersuchung ohne weitere Anpassungen zu publizieren.

Neue Versprechungen der Kommission

Deutliche Kritik äußerten die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA). Die von Wojciechowski vorgebrachten Gründe seien wenig plausibel, so die Verbände. COPA und COGECA wiesen daraufhin, der GFS-Bericht hätte es dem EU-Parlament und den europäischen Landwirtschaftsministern erlaubt, früher auf der Basis von konkreten Zahlen über die Ziele der Farm-to-Fork- und der Biodiversitätsstrategie zu diskutieren. Sie hoben hervor, dass die EU-Kommission noch immer keine umfassende Folgenabschätzung zu ihrer zentralen Politikstrategie vorgelegt habe.

Erst vor kurzem hieß es aus der Brüsseler Behörde, eine Folgenabschätzung werde „im Laufe des kommenden Jahres“ präsentiert.

Die GFS-Studie kam unter anderem zu dem Schluss, dass die Farm-to-Fork-Strategie zu einem deutlichen Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion und der Einkommen der Landwirte in der EU führen wird. Sie gilt allerdings nicht als umfassende Folgenabschätzung. Die erste Einschätzung der Konsequenzen des Green Deal hatte die Forschungsstelle des US-Landwirtschaftsministeriums im November 2020 vorgelegt. Die US-Experten hatten vor dramatischen Folgen der EU-Strategie sowohl für die weltweite Nahrungsmittelversorgung als auch die Bauern in der EU gewarnt.

Mit Material von AgE, Euractiv, Twitter

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