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Feinstaub aus Ammoniak

Feinstaub: Max-Planck-Institut widerspricht Bauernverband

am
25.01.2019
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Das Max-Planck-Institut antwortet auf einen offenen Brief des Deutschen Bauernverbandes und verteidigt die Aussagen der kürzlich verbreiteten Studie zu Feinstaub aus Ammoniakemissionen.

Die im ARD-Magazin Monitor verbreiteten Aussagen des Max-Planck-Insituts (MPI) für Chemie schlagen in der Landwirtschaft hohe Wellen. Laut einer bislang unveröffentlichten Studie seien die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft eine der Hauptquellen für die Feinstaubbildung.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hatte daraufhin auf seiner Internetseite einen Brief mit dem Titel „Fragwürdige Diskussion um Feinstaub“ veröffentlicht, in dem er dem MPI mangelnde Seriosität und Alarmismus vorwarf. Das MPI hat nun auf diese Vorwürfe mit einer Stellungnahme reagiert, die wir in einigen Auszügen vorstellen (die ganze Stellungnahme einschließlich aller Quellenangaben).

Auszüge aus der Stellungnahme des MPI

Das Max-Planck-Institut für Chemie schreibt zur angewandten Methodik:

"Für unsere Berechnungen nutzen wir ein hochentwickeltes und bewährtes Atmosphärenchemiemodell. Es beschreibt die Freisetzung, den Transport und die chemischen Reaktionen von Luftschadstoffen [...]. Daraus ergibt sich die geographische Verteilung von Feinstaubpartikeln, ihre Größe in Mikrometern und ihre Konzentration in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Um den Einfluss bestimmter Schadstoffe und Schadstoffquellen zu ermitteln, können die Emissionsraten variiert und entsprechende Differenzen errechnet werden (z.B.: Emissionsszenarien mit oder ohne Ammoniak aus landwirtschaftlichen Quellen). [...]

Die negativen Auswirkungen von Feinstaub auf die menschliche Gesundheit sind seit vielen Jahren bekannt und durch medizinische und biologische Studien belegt. Epidemiologische Studien, die von unabhängigen Forschergruppen in zahlreichen Ländern durchgeführt werden, zeigen weltweit einen sehr deutlichen und statistisch abgesicherten Zusammenhang zwischen der Mortalität (Sterberate) und der mittleren Feinstaubkonzentration in der Umgebungsluft."

Und weiter zu den chemisch-physikalischen Vorgängen: 

"Ammoniak wird bei der Verwendung von Gülle und Dünger als Gas freigesetzt. In der Atmosphäre reagiert dieses Gas mit Schwefeldioxid und Stickoxiden bzw. deren Oxidationsprodukten (Schwefelsäure, Salpetersäure) zu Salzen wie Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat, die wesentlich zur Bildung und Zusammensetzung von Feinstaub beitragen. [...]

Für die durch landwirtschaftliche Emissionen verursachte Feinstaubbelastung ist neben der direkten Primäremission [Anm.: beispielsweise Staubentwicklung bei Feldarbeiten] auch die Sekundärbildung von Feinstaub in der Atmosphäre zu berücksichtigen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Sekundärbildung aus Ammoniak stärker zur Feinstaubbelastung beiträgt als die landwirtschaftlichen Primäremissionen. Diese Erkenntnis wurde bereits mehrfach in Fachzeitschriften veröffentlicht und steht im Einklang mit unabhängig durchgeführten Studien."

Auf den Vorwurf des DBV zur Art und Weise der medialen Nutzung – gemeint ist hier die exklusive Verbreitung der Studie durch dass ARD-Magazin Monitor ohne vorherige Veröffentlichung – antwortete das MPI lediglich, dass die angewandten Modelle und Methoden "seit Jahren erprobt und wissenschaftlich etabliert" seien.

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