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Kommentar

Fleisch steigert Krebsrisiko: 'Halbgare Erkenntnis'

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Redaktion LAND&Forst, LAND & Forst
am
03.11.2015

Die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) hat Fleisch als krebserregend eingestuft. Die Begründung wirft allerdings einige Fragen auf. Ein Kommentar von Sabine Hildebrandt, stellvertretende Chefredakteurin Land & Forst.

Es geht um die Wurst. Wer sie regelmäßig konsumiert, kann leichter Darmkrebs bekommen. Stimmt das? Die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) hat Fleisch als krebserregend eingestuft. Die Forscher waren sich nach der Auswertung von 800 Studien einig: Verarbeitetes Fleisch gehört in die Kategorie 1 "krebserregend". Rotes Fleisch klassifizierten sie als "wahrscheinlich krebserregend". Das Risiko, an Darm- oder Magenkrebs zu erkranken, steigt ihrer Meinung nach um 18 Prozent, wenn man täglich 50 Gramm verarbeitetes Fleisch isst.

34.000 Krebstote weltweit gehen laut Experten pro Jahr auf das Konto des Fleisches. Faktencheck: Etwa 55.662.000 Menschen sterben jährlich, davon ca. 7.300.000 Menschen an Krebs. Wenn also 34.000 aufgrund ihres Fleischkonsums sterben, wären das 0,061 Prozent aller Toten und 0,46 Prozent aller Krebstoten. Die internationalen Experten räumen selbst ein, dass sie noch nicht komplett verstehen, warum Fleisch das Krebsrisiko beeinflusst. Sie empfehlen auch nicht, jetzt auf vegetarische Ernährung umzustellen. Diese habe neben Vorteilen auch "negative Auswirkungen auf die Gesundheit". Jeder, der am Montag von dieser Nachricht beim Biss ins Wurstbrot überrascht wurde, tat also gut daran, einfach weiter zu kauen. Dass ein über Holzkohle gegrilltes Steak und die mit Glukosesirup und Nitritpökelsalz "verfeinerte" Streichwurst nicht täglich auf den Speisezettel gehören, ist keine Überraschung.

DGE: Fleisch gehört zu einer gesunden Ernährung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erklärte, dass Fleisch zu einer gesunden Ernährung gehört, aber im Prinzip 600 Gramm Fleisch und Wurstwaren pro Woche völlig ausreichend sind. Die Krebsforscher haben der Weltgesundheitsorganisation mit ihrer Veröffentlichung einen Bärendienst erwiesen. Sie schlingern nicht nur bei der Begründung ihrer Einstufung. Es drängt sich auch der Verdacht auf, dass eine kalkulierte Kampagne dahinter steckt. Vor drei Jahren bekamen Dieselabgase den Stempel "krebserregend", im vergangenen Juli stufte die WHO Glyphosat ebenso giftig ein. Doch kein Mensch legt sich neben einen Auspuff oder trinkt Roundup. Aber die Nachricht alleine garantiert einen Platz auf den Titelseiten.

Das Bundesinstituts für Risikoforschung (BfR) hat ermittelt, dass knapp 30 Prozent der Verbraucher Lebensmittel als gesundheitliches Risiko wahrnehmen. Alkohol, Drogen und Medikamente stufen dagegen nur knapp 20 Prozent als Gefahr ein. Die wahren Lebensmittelrisiken liegen ganz woanders. Krebs durch Fleischverzehr scheint wieder ein Fall zu sein, bei dem sich das objektive Risiko durch Uminterpretation vervielfacht hat. Mahlzeit!

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