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Flüchtlinge in der Landwirtschaft

Flüchtlinge als Arbeitskräfte (Teil 1): Eine Win-Win-Situation?

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Katharina Krenn, agrarheute
am
19.05.2016

Immer wieder im Gespräch: Flüchtlinge als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Viele sind skeptisch. Aber es gibt sie auch: Erfolgsbeispiele und immer mehr Initiativen in diese Richtung.

Mit den steigenden Flüchtlingszahlen, ist es immer wieder im Gespräch: Können Flüchtlinge und Asylbewerber Arbeit in der Landwirtschaft finden? Die Befürworter sprechen von einer Win-Win-Situation, Kritiker von "Europas neuen Sklaven" (Die ZEIT). Die Landwirtschaft als Beschäftigungsfeld ist sicher keine Patentlösung, doch es gibt sie: positive Beispiele einer Integration von Asylberechtigten über die Beschäftigung in einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und auch der Bayerische Bauernverband haben sich bereits dem Thema angenommen. Sie bieten interessierten Betrieben Beratung und vermitteln Praktika.

Pro: Eine Win-Win-Situation

Für einige, insbesondere tierhaltende Betriebe kann es durchaus Sinn machen, Flüchtlinge als Arbeitskräfte anzuwerben. Gerade Betriebe mit fehlendem Nachwuchs oder Arbeitskräftemangel kann die Vermittlung von motivierten Asylbewerbern eine Chance für beide Seiten bieten. Auch weil ein Großteil der Flüchtlinge unter 25 Jahre alt ist.  Gleichzeitig ermöglichen landwirtschaftliche Betriebe diesen Menschen oft eine schnellere Integration als andere Jobs, da hier meist ein familiäres Arbeitsumfeld vorliegt.

Contra: Falsche Erwartungen und viel Bürokratie

Neben der Sprachbarriere haben Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen oft eine sehr unterschiedliche Vorstellung von Landwirtschaft. Das kann zu Missverständnissen und falschen Erwartungen auf beiden Seiten führen. Ein Praktikum kann diesen vorbeugen. Eine Anstellung ist für den Landwirt jedoch oft mit mehr bürokratischem Aufwand verbunden. Zudem ist die Bleibedauer oft ungewiss - auch bei vorhandener Arbeitserlaubnis. Die Erlaubnis für eine Ausbildung wird im ersten Schritt für ein Jahr erteilt und dann gegebenenfalls verlängert.

Praktikum ist relativ unbürokratisch

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft ist eine Mammutaufgabe. Die Ämter arbeiten mit Nachdruck daran, die Integration von geduldeten Flüchtlingen in ein Beschäftigungsverhältnis leichter zu machen. Grundsätzlich muss eine Arbeitserlaubnis vorliegen. Die Beschäftigung asylsuchender und geduldeter Flüchtlinge über ein Praktikum oder eine Ausbildung ist jedoch relativ einfach. Hier ist keine Arbeitserlaubnis notwendig. Ein Praktikum muss lediglich vom Flüchtling bei der Ausländerbehörde angezeigt werden. Für eine betriebliche Ausbildung ist nur eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde erforderlich, die in der Regel erteilt wird.

Verbände vermitteln Praktikanten

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen war in diesem Feld schon recht früh aktiv. Im vergangenen November organisierte die Kammer Hof-Besuche von Flüchtlingen. Dies brachte bereits konkrete Erfolge: Einer der Landwirte suchte händeringend nach Arbeitskräften und wurde fündig. Seitdem arbeiten zwei Syrer auf seinem Ferkelaufzuchtbetrieb. Sowohl der Landwirt als auch die beiden Flüchtlinge sind zufrieden.

Die LWK-Experten beraten interessierte Landwirte und haben ihre Infobroschüren auf Arabisch und Englisch übersetzt. Auch der Bayerische Bauernverband bietet seine Unterstützung an -  von rechtlichen Fragen bis hin zur Praktikumsvermittlung. 

Erfolgsstory: Flüchtling Wale wird Azubi

Eine weitere Erfolgsgeschichte sendete vor kurzem der Bayerische Rundfunk. Vor einem Jahr kam der Nigerianer Olawale Folawole auf Initiative des "Helferkreis Asyl" das erste Mal auf den Bio-Betrieb von Anton Reindl. Anfangs war Landwirt Reindl skeptisch. Doch "Wale", wie ihn Reindl kurzerhand nennt, hat sich mit der Zeit unentbehrlich gemacht. Auch wegen seiner zeitlichen Flexibilität, denn Wale kam wann immer Not am Mann war. Es war letztlich für beide ein Glücksfall. Mittlerweile hat Wale ganz gut Deutsch gelernt und macht jetzt sogar eine landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Betrieb Reindl.

Rettungsaktion: Kuh im Swimmingpool

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