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Forsa-Geschäftsführer: "Landwirte entscheiden keine Wahlen"

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Julia Eder, agrarheute
am
04.09.2017

Den Einfluss der Landwirte auf den Ausgang von Wahlen hält forsa-Chef Manfred Güllner für sehr begrenzt. Doch das Wahlverhalten auf dem Land sei besonders.

Die Zahl der Landwirte sei so geschrumpft, dass sich ihr Wahlverhalten nicht entscheidend auf das Ergebnis der bevorstehenden Bundestagswahl auswirken werde, sagt Manfred Güllner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts forsa, im Interview mit Agra-Europe. Auch für Meinungsbildungsprozesse auf dem Land spielten Landwirte nicht zuletzt angesichts der Vielfalt klassischer und neuer Medien in der Regel keine besondere Rolle mehr.

Überdurchschnittliche Wahlbeteiligung auf dem Land

Güllner weist gleichwohl auf einige Besonderheiten im Wahlverhalten der ländlichen Bevölkerung hin. Dazu zählten

  • eine überdurchschnittliche Wahlbeteiligung und
  • ein stabileres Wahlverhalten als in städtischen Gebieten.

Keine Parallelen sieht der Meinungsforscher zwischen Deutschland und den USA, wo nicht zuletzt das Stimmverhalten in ländlichen Regionen das Ergebnis der letzten Präsidentschaftswahl bestimmt hatte. In Deutschland gebe es „diese Gruppe der Abgehängten“ nicht, die bei der Trump-Wahl eine entscheidende Rolle gespielt habe.

Wer im Dorf lebt, ist zufriedener

Laut Güllner sind die Menschen hierzulande gerade in den kleinen Dörfern überdurchschnittlich mit ihrer Lebenssituation zufrieden. Nicht beeinflusst werde das Stimmverhalten zudem von emotional diskutierten Themen wie der Rückkehr des Wolfes. Der forsa-Chef geht davon aus, dass ländliche Themen ebenso wie Ernährungsfragen auch im Endspurt des Wahlkampfs nicht mehr an Bedeutung gewinnen werden. Derzeit gebe es für die Menschen wichtigere Fragen.

CDU/CSU schneidet gut ab

Das traditionell gute Abschneiden der Union auf dem Land führt Güllner auf historische Ursachen und die Konzentration der überwiegend konservativen bäuerlichen Bevölkerung in den Dörfern und der Industriearbeiterschaft in den Städten zurück. Das daraus resultierende unterschiedliche Wahlverhalten in Stadt und Land sei zumindest teilweise erhalten geblieben. Positiv auswirken werde sich der Vorschlag von CDU und CSU, ein Bundesministerium für ländliche Räume einzurichten. Allerdings müssten der Ankündigung nach der Wahl auch Taten folgen.

So denken Landwirte über die Parteien

Die Probleme der SPD in vielen ländlichen Gebieten begründet der Geschäftsführer mit einem fehlenden Vertrauen in deren Fähigkeit, erkannte Defizite in der ländlichen Entwicklung auch zu beseitigen. Die Grünen sind nach Auffassung Güllners eine „Großstadtpartei“, die mit ihren Themen auf die städtische Bevölkerung abziele. Die Linke werde erneut im Osten die meisten Stimmen bekommen, wo sie eine pragmatische Politik betreibe. Die FDP versuche bei der Wahl wieder beim klassischen Mittelstand und damit auch bei Landwirten zu punkten, wo sie 2013 erheblich an Vertrauen verloren habe. Die AfD wisse die im Osten ausgeprägte Angst vor Fremden für sich zu nutzen. Einen besonderen Rückhalt der Partei in ländlichen Gebieten sieht Güllner nicht.

Mit Material von Agra-Europe

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