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Erdgas-Förderung

Fracking-Neuregelung: Ergebnisse und Reaktionen

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Julia Eder, agrarheute
am
23.06.2016

Die Erdgas-Förderung durch Fracking wurde neu geregelt. Die Reaktionen: Lob von Regierung und Brauern, Kritik von Opposition und Umweltschützern.

Beim neuen Fracking-Gesetz unterscheidet die Reagierungskoalition zwischen konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten. Beim Fracking wird Erdgas auch aus Gesteinsschichten fördert, wo es nicht von alleine fließt. Die Technik: Mit hohem Druck werden Wasser, Sand und Chemikalien ins Gestein gepresst, so dass Risse entstehen und das Gas zum Bohrloch fließen kann.

  • Unkonventionelle Lagerstätten sind Gesteinsschichten, in denen Erdgas entsteht. Hier wird nach dem neuen Gesetz das Fracking zu kommerziellen Zwecken komplett verboten. Zu wissenschaftlichen Zwecken darf es vier Probebohrungen geben, um die Folgen für die Natur zu erkunden - aber nur, wenn die betroffenen Bundesländer dem zustimmen.
  • Konventionelle Lagerstätten sind solche, wo das Gas hin abwandert. In konventionellen Lagerstätten wird in Deutschland seit Jahrzehnten Erdgas gefördert und es soll auch künftig erlaubt bleiben. Einschränkungen gibt es nach der Neuregelung aber für Orte mit Mineralwasservorkommens, einer Heilquelle sowie einer "Stelle zur Entnahme von Wasser zur Herstellung von Lebensmitteln".

Das Fracking-Gesetz wird voraussichtlich am Freitag im Bundestag verabschiedet. 2021 soll der Bundestag auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse das Verbot des unkonventionellen Frackings nochmal prüfen.

Regierung und Brauer zufrieden

Die Bundesregierung hat sich zufrieden mit dem Kompromiss zum Fracking geäußert. Was die Fraktionsspitzen für die umstrittene Erdgas-Fördermethode ausgehandelt hätten, sei ein "guter Abschluss" einer langen Kontroverse, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Der Deutsche Brauer-Bund begrüßte vor allem die Einigung, nach der es für das konventionelle Fracking strengere Auflagen geben soll, als "wichtigen Schritt", wie der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes Holger Eichele mitteilte. Die Brauer hatten sich dafür eingesetzt, Trinkwasser und Wasser, das für die Herstellung von Lebensmitteln und also auch für Bier verwendet wird, besser zu schützen.

"Haarsträubend" und "Mogelpackung"

Grüne und Linke sind, jedenfalls auf Bundesebene, gegen Fracking mit Chemikalien. Die Grünen sehen in der Neubewertung im Jahr 2021 eine Hintertür, um das unkonventionelle Fracking doch noch zuzulassen. Der Grünen-Energieexperte Oliver Krischer nannte das geplante Gesetz daher eine Mogelpackung. "Im Windschatten der Fußball-EM wollen Union
und SPD Fakten für eine Hochrisikotechnologie schaffen", sagte er. Die Grünen im Bundestag fordern ein komplettes Fracking-Verbot.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nennt die Einigung "haarsträubend". Die Gefahren, die die Methode für Gesundheit, Natur und Trinkwasser berge, seien nicht gebannt, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Umweltschützer befürchten vergiftetes Trinkwasser oder sogar Erdbeben durch Fracking. Zudem werde die Ära der fossilen Brennstoffe verlängert.

Probebohrungen: Nicht in diesen Bundesländern

Zu den wissenschaftlichen Probebohrungen für unkonventionelles Fracking gibt es bereits Reaktionen aus den Bundesländern, die dafür nach der Neuregelung zustimmen müssen.

  • Aus Niedersachsen stammt 95 Prozent der deutschen Gasförderung. Der dortige Umweltminister Stefan Wenzel lehnt die Durchführung von Probebohrungen zur Förderung von Schiefergas ab.
  • Auch Hannelore Kraft (SPD), Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, sagte bereits, mit ihr werde es solche Bohrungen nicht geben.
  • Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller stimmt zu: "Fracking in Baden-Württemberg hat es nicht gegeben und wird es nicht geben."
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