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Frankreichs Bauern protestieren weiter gegen die EU-Agrarreform

Bauernprotest in Frankreich
am Mittwoch, 07.04.2021 - 13:23 (Jetzt kommentieren)

In Frankreich dauern die Bauerndemonstrationen gegen die EU-Agrarreform an. Erneut kam es auch zu Gewaltausbrüchen.

Bauern demonstrieren in Frankreich

Gestern Bourges, morgen Toulouse: In Frankreich machen die Bauern landesweit mobil gegen die Reform der europäischen Agrarpolitik. Dabei kam es gestern (6.4.2021) in Bourges auch wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Etwa 300 bis 400 Landwirte kamen mit ihren Traktoren in die Gemeinde in Zentralfrankreich. An den Schleppern hatten sie Plakate mit Aufschriften wie „Rette Deinen Bauern“ oder „Macron, mach‘ keinen Quatsch – bald sind Wahlen“ befestigt. Zu der Aktion aufgerufen hatten der regionale Zweig des französischen Bauernverbandes (FNSEA) und die Junglandwirte-Organisation JA.

Festnahmen nach gewalttätigen Aktionen in Bourges und Clermont-Ferrand

Die Demonstranten versammelten sich in Bourges vor dem Gebäude der regionalen Umwelt- und Raumordnungsbehörde (Dréal). Mit einem Radlader drückten sie das massive Zugangstor ein und entzündeten Reifen und Strohballen auf dem Gelände der Behörde. Nach Berichten französischer Medien kam es zu Festnahmen. Ein Polizist wurde verletzt.

Bereits Ende März war es bei massiven Protesten in der zentralfranzösischen Stadt Clermont-Ferrand zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Auch dort wurde im Nachhinein von Festnahmen berichtet.

Frankreichs Bauern befürchten erhebliche Prämienverluste

Die Landwirte halten ihren Druck auf die Regierung jedoch aufrecht. Sie verlangen eine „ausgewogene und gerechte“ gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Vor allem die Rinderhaltern fürchten, durch die derzeit verhandelte EU-Agrarreform erheblich an Einkommenstransfers zu verlieren.

Franck Leprêtre, Präsident des FNSEA Centre-Val de Loire, sagt: „Nach unseren Schätzungen verlieren wir mit dieser Reform rund 80 Euro je Hektar; das sind 52 Mio. Euro für die Landwirtschaft im Centre-Val de Loire.“ Leprêtre fürchtet, dass viele Landwirte an den neuen Öko-Regelungen nicht teilnehmen werden können.

Mit Traktoren im Schneckentempo über den Autobahnring

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben die Bauern in Südfrankreich für morgen eine Großkundgebung in Toulouse angekündigt. Bei der „Operation Escargot“ sollen Schlepperkolonnen den Verkehr auf der Ringautobahn rund um die Metropole schon am Morgen auf Schneckentempo drosseln. Für den Nachmittag ist eine Protestaktion vor der Präfektur im Stadtzentrum geplant.

Frankreichs Landwirtschaftsminister Julien Denormandie steht damit auf den letzten Metern der Trilog-Verhandlungen in Brüssel unter erheblichem Druck, keine weiteren Zugeständnisse zu Lasten der französischen Landwirte zu akzeptieren.

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