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Glyphosat: Das sagt die Branche zu Schulzes Vorstoß

Bundesumweltministerin Svenja Schulze
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Anke Fritz, agrarheute
am
07.11.2018

Verbindlich und umfassend soll die Zulassung für Glyphosat bis Ende 2023 auslaufen. Gleichzeitig sollen Landwirte, die bestimmte Pflanzenschutzmittel verwenden, 10 Prozent Ausgleichsflächen vorhalten.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will ein Enddatum für die Nutzung von Glyphosat gesetzlich festschreiben. Sie soll Ende 2023 auslaufen. Bis dahin sollen Landwirte 10 Prozent ihrer Ackerfläche als Ausgleichsfläche vorhalten. Dazu haben sich Vertreter aus der Politik und der Branche wir folgt geäußert.

 

Zuspruch und Kritik aus der Politik

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner kommentierte den Vorstoß nicht inhaltlich, kritisierte aber das Vorgehen. Im Ziel, den Einsatz von Glyphosat zu mindern, sei man sich einig, nun müssten schnell gemeinsame Ergebnisse her. "Dabei hilft es auch nicht in der Sache, bereits geregelte Zuständigkeiten wieder einmal in Frage zu stellen."

Die stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses im Deutschen Bundestag, Carina Konrad äußert scharfe Kritik: „In der Praxis darf kein Landwirt ohne Sachkundenachweis Pflanzenschutzmittel anwenden. Wünschenswert wäre Sachkunde für politische Entscheidungsträger. Der heutige Vorstoß unserer Bundesumweltministerin entlarvt, dass wissenschaftliche Agrarpolitik von politischer Meinungsmache ersetzt wird.

Dieser Trend ermöglicht keine zukunftsweisenden Strategien für den Ackerbau, sondern bremst jede Form von Innovation aus. Durch internes Kompetenzgerangel und Uneinigkeit lassen BMU und BMEL unsere Landwirte mit einer „Ackerbauverhinderungstrategie“ zurück!

Die Grünen äußerten sich kritisch. Schulzes Vorlage sei nicht mit Klöckner abgesprochen, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. "Das geht nach dem Motto: Ich würde ja gerne, wenn ich könnte. Schluss damit, den Leuten was vorzumachen."

Im Grunde richtig findet die agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Kirsten Tackmann ein Ausstiegskonzept für Glyphosat. Aber die Vorschläge sind lückenhaft und nicht ausreichend, denn die gesundheitlichen Risiken werden nur spärlich berücksichtigt“.v

Das sagen die Verbände

Der Deutsche Bauernverband nannte Schulzes Vorschlag «wenig durchdacht und inakzeptabel», er gefährde die laufenden Verhandlungen.

Der Industrieverband Agrar kritisierte: "Ministerien und Behörden planen unkoordiniert nebeneinander her, während weiterhin rund 500 Anträge für neue Pflanzenschutzmittel auf Bearbeitung warten."

Bioland begrüßt neben dem geplanten Glyphosat-Ausstieg vor allem die Ankündigung des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts zu einem strengeren Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel.

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