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Biomasse-Nutzung

Hat Brennholz noch Platz in der Biomasse-Strategie?

Brennholz spalten
am Freitag, 07.10.2022 - 10:15 (18 Kommentare)

Drei grüne Bundesministerien haben ein Eckpunktepapier zur künftigen Nutzung von Biomasse und Brennholz vorgelegt.

Noch sind es Eckpunkte, und keine klare Strategie. Dennoch lässt sich aus dem vorgelegten Eckpunktepapier ableiten, dass die Bundesregierung einen weiteren Ausbau der Holznutzung zu Wärmezwecken eher kritisch gegenübersteht.

Am Donnerstag (6.10.) haben Bundesagrarminister Cem Özdemir, Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Eckpunkte zur nationalen Biomassestrategie (NABIS) vorgestellt. Damit will der Bund die Grundlage für eine nachhaltige Nutzung von Biomasse aus der Wald-, Land- und Abfallwirtschaft schaffen. Im kommenden Jahr soll die Strategie nach einem Dialog mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft verabschiedet werden.

Bund rechnet mit höherer Nachfrage

Das nachhaltig verfügbare Biomassepotenzial, der Erhalt natürlicher Ökosysteme und Vorrang der Ernährungssicherheit (Food-First-Prinzip) bilden dabei den Handlungsrahmen. Die Regierung geht davon aus, dass künftig die Nachfrage nach Biomasse steigen wird.

Zugleich sei das nachhaltig verfügbare Potenzial weltweit begrenzt. Umso wichtiger ist es aus ihrer Sicht, strategische Leitprinzipen für die nachhaltige Biomasseerzeugung und -nutzung aufzustellen, um mehr Anreize und Vorgaben für einen nachhaltigen Biomasseeinsatz zu setzen.

Das wichtigste Leitprinzip ist die konsequente Kaskaden- und Mehrfachnutzung von Biomasse. Danach hat die stoffliche Nutzung Vorrang. Sie ermögliche eine langfristige Kohlenstoffbindung, heißt es im Papier. Erst am Ende der Kaskade stehen energetische Nutzungen wie Brennholz. Dabei sind immer die effizientesten Dekarbonisierungsoptionen einzusetzen, fordern die drei grünen Ministerien.

Mit der Strategie wollen sie außerdem dem erhöhten Nutzungsdruck – etwa auf Naturschutzflächen – und der Konkurrenz um Flächen, etwa zur Lebensmittelerzeugung, begegnen.

Habeck und Lemke sind bei Brennholz skeptisch

Habeck und Lemke sehen daher die Holznutzung zur Wärmeerzeugung skeptisch. „Biomasse, also zum Beispiel Holz, Energiepflanzen oder organische Abfälle, ist eine sehr gefragte und auch heimische Ressource. Auch wenn sie natürlichen Ursprungs ist und ein erneuerbarer Rohstoff ist: ihr Einsatz ist nicht per se klima- und umweltfreundlich“, so der Bundeswirtschaftsminister.

Auch Sicht von Umweltministerin Lemke müssen hochwertige Stoffe nachhaltig genutzt werden, im Fall von Holz, beispielsweise für das Herstellen von Baustoffen oder Möbeln. Gleichzeitig führe der Schutz von Ökosystemen, die natürlicherweise CO2 speichern, zu einem messbaren Beitrag für den Klimaschutz und zum Erhalt der Biodiversität. „Unter Umständen kann es daher sinnvoll sein, Holz im Wald zu belassen,“ so Lemke.

Bioenergieverbände fordern Gleichberechtigung

Die Bioenergieverbände fordern indes, dass im Fokus der zukünftigen Entwicklung der Bioenergie eine geschickte Kombination mit anderen Klimaschutztechnologien stehen müsse, um bestehende und im Eckpunktepapier nicht aufgeführte Synergien zu heben.

Gleichzeitig sollte die Strategie ein Augenmerk auf „intensiverem Erschließen“ zusätzlicher nachhaltiger Biomassepotenziale, dem Gewinnen von Koppelprodukten sowie elementaren Ressourcen mithilfe neuer effizienterer Verfahren liegen. Ein Vorrang der stofflichen vor der energetischen Nutzung lehnen die Verbände ab, da für qualitativ unterschiedliche Biomassesortimente auch unterschiedliche Verwertungspfade benötigt werden.

FDP vermisst neue Züchtungstechniken

Kritisch zum Eckpunktepapier der grünen Ministerien für eine Nationale Biomassestrategie hat sich der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Gero Hocker, geäußert. Zwar seien die vorliegenden Eckpunkte ein erster Entwurf, Biomasse langfristig besser nutzbar zu machen. Sie atmeten jedoch in weiten Teilen eher den Geist veralteter Denkmuster, erklärte Hocker.

Der FDP-Politiker vermisst in dem Papier einen Hinweis auf die Chancen der Biotechnologie und insbesondere neuer Züchtungsmethoden. Diese seien jedoch für die Erzeugung moderner und effizienterer Bioenergiepflanzen wesentlich.

Waldbesitzer warnen davor, das Brennholz zu verteufeln

Die Arbeitsgemeinschaft der Waldbesitzer (AGDW) warnt davor, die energetische Nutzung von Holz zu verteufeln. „Schon aus Eigeninteresse priorisieren die Waldeigentümer die stoffliche Nutzung von Holz, da diese in der Regel höhere Erträge bringt“, stellte AGDW-Präsident Bitter fest.

Vor allem Holz, das nicht zur stofflichen Nutzung verkauft werden könne, werde als Brennholz genutzt. Es falle vorrangig beim Durchforsten oder als Kronenholz bei der Erntenutzung an, vor allem auch bei kleineren Flächen von Waldeigentümern. Das habe eine erhebliche Bedeutung für die Pflege von Kleinprivatwald, stellt Bitter klar.

WWF fordert angepasste Holznutzung

Nach Ansicht des WWF Deutschland wird der ökologische Wert des Waldes für den Arten-, Ressourcen- und Klimaschutz in der Biomasse-Strategie hingegen nicht ausreichend berücksichtigt. Die Holznutzung müsse an die Leistungsfähigkeit des Waldes angepasst werden, fordert die Umweltorganisation.

Mit Material von AgE
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