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Tierhaltung

Hessen will Anbindehaltung erneut verbieten

am Donnerstag, 19.12.2019 - 08:53 (Jetzt kommentieren)

Für Überraschung im Bundesrat sorgte vor kurzem Hessen. Das Land stellte einen Antrag auf Verbot der Anbindehaltung von Rindern.

Hessen hat im Bundesrat einen Antrag auf Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern eingebracht. Der Antrag sieht ein Verbot der Anbindehaltung nach einer Übergangsfrist von 12 Jahren vor. Derzeit berät der Bundesrat über die Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Dabei geht es vor allem um Schweine und Geflügel.

Über den Antrag Hessens zeigen sich andere Bundesländer überrascht. Sie befürchten nun, dass sich damit die Änderung der Nutztierhaltungsverordnung verzögern wird. Dann müssten vor allem Schweinehalter weiter auf Klarheit über die Umsetzung des Kastenstandurteils warten.

Kritiker befürchten bei einem Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung einen beschleunigten Strukturwandel vor allem von kleineren Betrieben. Viele Milchviehhalter bekommen im Ort aus emissionschutzrechtlichen Gründen keine Genehmigung für einen Laufhof oder Laufstall. Auch Weidehaltung ist meist nicht möglich, weil keine hofnahen Flächen zur Verfügung stehen.

Hessen lässt nicht locker

Priska Hinz

Das hessische Agrarministerium begründet den Antrag auf agrarheute-Nachfrage, dass die ganzjährige Anbindehaltung bei Rindern nicht tiergerecht sei. Sie erlaube den Tieren keine Fortbewegung, keine Sozialkontakte und kein Komfortverhalten.

Hessen kämpft schon seit langem für eine bundesweite Lösung: Der Bundesrat hatte bereits 2016 ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung gefordert. Zuletzt hat die Agrarministerkonferenz im April den Bund ermahnt, das Verbot der Anbindehaltung von Rindern anzugehen. "Trotzdem bewegt sich der Bund nicht. Hessen wird sich auch weiterhin für den Ausstieg aus der Anbindehaltung einsetzen", so eine Sprecherin des Ministeriums.

Bekommt der Antrag wieder eine Mehrheit?

Nach agrarheute-Informationen könnte der Antrag aus Hessen am 17. Januar oder 19. Februar 2020 im Agrarausschuss behandelt werden. Die Gefahr, dass der Antrag eine Mehrheit im Ausschuss und anschließend auch im Plenum findet, ist ähnlich groß wie 2016. Zudem sind in vielen Bundesländern inzwischen Agrar- und Umweltministerien mit grünen Politikern und -innen besetzt. 

Bayern hat sich bisher gegen ein Verbot der Anbindehaltung ausgesprochen. Mitte des Jahres haben Vertreter des Berufsstands, der Molkereien und des bayerischen Agrarministeriums die Kombinationshaltung definiert. Damit sollen Landwirte mit ganzjähriger Anbindehaltung Zukunftsperspektiven erhalten.

Zuletzt war das Thema ganzjährige Anbindehaltung von Rinder auch beim Lebensmitteleinzelhandel kein großes Thema. Vielmehr war zu hören, dass sich der Handel mit der Branchenlösung in Bayern anfreunden könne. Mit dem Antrag Hessens könnte dies aber in Gefahr geraten.

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