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Trockenheit

Heute im Kabinett: Folgen der Dürre für die Landwirtschaft

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Anke Fritz, agrarheute
am
01.08.2018

Die Dürre samt ihren Folgen für die Landwirtschaft ist heute Thema im Bundeskabinett. Agrarministerin Julia Klöckner beharrt auf einer Erntebilanz, bevor sie über Hilfsmaßnahmen entscheidet.

Die Ernteeinbußen aufgrund der wochenlangen Dürre in Teilen Deutschlands beschäftigen am 1. August  das Bundeskabinett. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) will über die aktuelle Lage berichten. Klöckner beharrt trotz lauter werdender Rufe nach schnellen Dürre-Hilfen für die Bauern auf einer gründlichen Erntebilanz.

"Das ist Steuerzahlergeld, und wir brauchen erst repräsentative Daten", sagte die CDU-Politikerin am 31. Juli. Aus dem Umweltministerium wurde im Vorfeld getwittert: "Es darf nicht nur darum gehen, kurzfristig Ernteausfälle auszugleichen. Wichtig ist eine konsequente und langfristige Strategie zur Klimaanpassung in der Landwirtschaft."

Beschlüsse werden bei der Kabinettssitzung allerdings nicht erwartet.

DBV legt neue Daten zur Ernte vor

Der Deutsche Bauernverband (DBV) will eine neue Einschätzung zur laufenden Ernte vorlegen. Wegen der Trockenheit drohen vor allem im Osten und Norden Ausfälle bei Gras und Getreide. Das Futter für die Tiere wird knapp.

Der Verband fordert rasche Hilfen von möglichst einer Milliarde Euro. Zuständig sind zunächst die Länder. Der Bund will erst nach einer amtlichen Erntebilanz Ende August über mögliche eigene Zahlungen entscheiden.

Bund und Länder berieten Bestandsaufnahme

Bund und Ländern berieten am Dienstag über eine "erste Bestandsaufnahme" der Schäden.

"Wir waren uns einig, dass die Länder jetzt die notwendigen Daten so schnell wie möglich liefern, denn nur dann kann der Bund auch schnell handeln", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Michael Stübgen (CDU). Es sei klar geworden, dass die Landwirte in Deutschland unterschiedlich von der Dürre betroffen seien.

BDM fordert bessere Preise von Marktpartnern

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) stimmt Bundesministerin Julia Klöckner zu, dass staatliche Dürrehilfen nur punktuell sein können. Maßnahmen wie Steuerstundungen, Rentenbank-Kredite und die Freigabe von ökologischen Vorrangflächen können laut dem BDM-Vorsitzenden Stefan Mann die Lage der Landwirte aber nicht deutlich verbessern.

Mann sieht die Marktpartner am Zug: "Es wird Zeit, dass diese Unternehmen, deren Rohstoffeinkauf so fürstlich subventioniert wird, endlich auch einmal Verantwortung übernehmen, wenn den Landwirten die Luft ausgeht. Man hat die Milchviehhalter am ausgestreckten Arm verhungern lassen, der Steuerzahler hat Geld draufgelegt – warum sollten jetzt nicht mal die Marktpartner ran?" Die Lösung der Liquiditätsprobleme kann nach Ansicht des BMD nur über höhere Markterlöse erreicht werden.

 

Mortler: "Wirksames Risikomanagement notwendig"

Die agrarpolitische Sprecherin der CSU im Bundestag, Marlene Mortler, sagte zu der Dürreperiode: "Bedingt durch die anhaltende Klimaänderung müssen wir zunehmend mit Extremwetterereignissen und den damit einhergehenden Schäden rechnen. Der aktuelle Ruf nach einer staatlichen Ausgleichszahlung ist nachvollziehbar und berechtigt."

Die Ad-hoc-Ausgleichsprogramme kämen jedoch häufig zu spät und böten keine dauerhafte und umfassende Lösung – weder für die Betriebe noch für den Staat oder die Gesellschaft.

"Vielmehr sollten wir über verschiedene Möglichkeiten der Risikovorsorge im landwirtschaftlichen Betrieb nachdenken, beispielsweise über ein staatlich gefördertes Sparprogramm: Landwirte, die Geld auf ein spezielles ‚Risikovorsorgekonto‘ einzahlen, werden von staatlicher Seite unterstützt und steuerlich begünstigt. Damit können die Landwirte ihre individuellen Einkommensverluste künftig besser und überwiegend durch eigene Mittel abdecken. In der aktuellen Situation brauchen wir ein entschlossenes, gemeinsames staatliches Handeln von Bund und Ländern. Neben einem Sonderprogramm müssen in diesem Jahr vor allem die Direktzahlungen so schnell wie möglich in voller Höhe von den Landesbehörden an die Betriebe ausgezahlt werden. Bayern leistet hier seit jeher wirksame Unterstützung, da die Agrargelder kurz vor Weihnachten vollständig an die Betriebe gehen."

Mit Material von dpa, DBV, BDM
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