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+++ Aktualisiert: 15:45 Uhr +++

Hochwasser: Finanzielle Nothilfen für Landwirte

Hochwasser-Katastrophe
am Dienstag, 20.07.2021 - 11:45 (Jetzt kommentieren)

Nach der Flutkatastrophe soll betroffenen Landwirten mit Geldern der EU, des Bundes und der Länder geholfen werden. Die Rentenbank bietet Liquiditätshilfen. Zudem wurden erste Steuererleichterungen beschlossen. Der Bauernverband ruft zu Spenden auf.

Noch gibt es keine detaillierte Schätzung der materiellen Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und auch an landwirtschaftlichen Betrieben durch die Flutkatastrophen. „Mit welchen Verlusten wir im landwirtschaftlichen Bereich des Rheinlands zu rechnen haben, kann man noch nicht abschätzen“, sagt der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), Bernhard Conzen.

Klar ist aber: Die Schäden in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und auch in Bayern gehen in die Milliarden. Die ersten Eckpunkte von staatlichen Finanzhilfen zeichnen sich nun ab. Unterstützung wird es voraussichtlich von der EU sowie aus Bundes- und Ländermitteln geben. Parallel dazu rufen zahlreichen Organisationen zu Geldspenden für die Opfer der Überschwemmungen auf.

Agrarkommissar Wojciechowski will keine zusätzlichen Gelder bereitstellen

Wojciechowski-EU-Agrarkommissar

EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski stellte gestern im Anschluss an den EU-Agrarministerrat zwar Finanzhilfen für Landwirte in Aussicht, die in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg von den Fluten getroffen wurden. Allerdings will Wojciechowski dafür keine zusätzlichen Mittel aus dem EU-Haushalt mobilisieren.

Vielmehr sollen die betroffenen Mitgliedstaaten Vorschläge machen, wie sie die Fördergelder aus der zweiten Säule für die ländliche Entwicklung nutzen wollen, um in Überflutungsgebieten zu helfen. Um angepasste Förderpläne zu billigen, müssten die Mitgliedstaaten zunächst konkrete Angaben zu den Schäden machen und diese belegen, sagte Wojciechowski. Für den Wiederaufbau der Infrastruktur steht zudem der EU-Solidaritätsfonds zu Verfügung.

Darüber hinaus verwies der Pole auf die Möglichkeit, staatliche Beihilfen durch die EU-Kommission genehmigen zu lassen. Zudem könnten die Direktzahlungen für Landwirte vorgezogen ausgezahlt werden.

Bund wird morgen ein umfassendes Hilfsprogramm für Hochwasseropfer beschließen

Die Bundesregierung will morgen (21.7.) ein Hilfsprogramm beschließen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat bereits gefordert, darin auch explizit landwirtschaftliche Betriebe zu berücksichtigen. Dem Vernehmen nach dürfte das Hilfsprogramm aus zwei Teilen bestehen: Einer Soforthilfe für betroffene Bürger und Unternehmen in Höhe von 300 Mio. bis 400 Mio. Euro. Diese Mittel sollen schnell ausgezahlt werden.

Ein zweites Teilprogramm soll den Wiederaufbau der Infrastruktur unterstützen. Dabei geht es um die Versorgung mit Wasser, Strom, Gas und Mobilfunk, aber auch die Reparatur von Straßen, Brücken und Schienen. Dieses Programm dürfte mehrere Milliarden Euro schwer und längerfristig angelegt sein. Über die Aufteilung der Mittel auf die Länder, Kreise und eventuell auch betroffene Wirtschaftssektoren wird in der Bundesregierung noch beraten.

Zur Orientierung: Bei den extremen Hochwasserereignissen 2013 in Deutschland, Österreich und Mitteleuropa erhielten Privathaushalte eine Soforthilfe von bis zu 2.000 Euro. Der Bundestag beschloss einen Wiederaufbaufonds von 8 Mrd. Euro. Die Länder schätzten den Gesamtschaden im Nachhinein auf 6,7 Mrd. Euro.

Länder ermöglichen Sonderabschreibungen

Die betroffenen Bundesländer haben indes bereits erste Finanz- und Steuerhilfen beschlossen. Bayern und Rheinland-Pfalz kündigten Soforthilfen aus Landesmitteln in Höhe von jeweils 50 Mio. Euro an.

Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen setzten außerdem Steuererleichterungen in Kraft. Dazu gehören unter anderem Sonderabschreibungsmöglichkeiten für den Wiederaufbau. Aufwendungen für die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung und für die Beseitigung von Schäden an dem eigengenutzten Wohneigentum können als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden.

Rentenbank: Liquiditätshilfen und Tilgungsaussetzungen für Flutopfer

Hochwasser Weizenfeld

Die Landwirtschaftliche Rentenbank kündigte ebenfalls Unterstützung an. Zum einen öffnet das Kreditinstitut sein Programm für Liquiditätshilfedarlehen ab sofort für Unternehmen der Landwirtschaft, des Wein- und des Gartenbaus, die Schäden durch Unwetter oder Hochwasser erlitten haben. Diese Förderdarlehen werden zu besonders günstigen Konditionen angeboten. Sie haben eine Laufzeit von vier, sechs oder zehn Jahren und sind mit einem tilgungsfreien Jahr ausgestattet.

Zudem dürfen von den Hochwassern betroffene Betriebe die Tilgung laufender Darlehen bei der Rentenbank aussetzen. Die Tilgung kann für sechs Monate bis zwei Jahre unterbrochen werden. Die Kreditanträge sowie die Anträge zur Tilgungsaussetzung sind an die jeweilige Hausbank zu richten.

SVLFG stundet Beiträge zur Sozialversicherung

Die landwirtschaftliche Sozialversicherung (SVLFG) bietet den von Hochwasser Betroffenen eine zinslose Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen an. Die Stundung gilt für alle fälligen Beiträge bis zum 14. September 2021. Es reicht ein formloser Antrag an alle bekannten Anschriften der SVLFG (www.svlfg.de/so-erreichen-sie-uns), ein Anruf unter Tefefon 0561/785-2044 oder eine E-Mail an versicherung@svlfg.de.

Große Hilfsbereitschaft in der Landwirtschaft

Die Lage in den betroffenen Regionen ist nach wie vor unübersichtlich. Nach Angaben des RLV herrscht unter den Landwirten eine riesige Solidarität. Viele wollen ihren Berufskollegen helfen und drücken mit Futter- und Sachspenden ihre Betroffenheit aus.

Zahlreiche Freiwillige haben sich schon vor Tagen mit schwerem Gerät in die betroffenen Städte und Gemeinden aufgemacht und räumten dort Straßen und Häuser frei oder pumpten Keller leer.

 

 

Koordinierte Spenden für Landwirte erbeten

Neben verschiedenen digitalen Plattformen mit Hilfsangeboten und Futtermittelspenden geht es nun aber auch um schnelle finanzielle Hilfe, damit zerstörte Gebäude, Technik, Felder und Wiesen wiederhergestellt werden können.

„Betroffene Bauernfamilien müssen ihre Existenzen wiederaufbauen. Sie können die entstandenen Schäden nicht allein tragen und brauchen Unterstützung“, sagt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied. Der DBV rief darum gemeinsam mit den Landesbauernverbänden eine koordinierte Spendenaktion über die Schorlemer Stiftung ins Leben.

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Walter Heidl, unterstützt den Aufruf in einem Youtube-Video.

Das zentrale Spendenkonto der Schorlemer Stiftung für die Hochwasserhilfe

Über diese Bankverbindung sammelt die Schorlemer Stiftung unter dem Stichwort "Hochwasserhilfe Juli 2021" Spenden für von der Flutkatastrophe betroffene landwirtschaftliche Betriebe:

Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes e.V.
Bank: Volksbank Köln-Bonn
IBAN: DE57 3806 0186 1700 3490 43
BIC: GENODED1BRS
Stichwort: Hochwasserhilfe Juli 2021

Als gemeinnützige Einrichtung ist die Stiftung berechtigt, Spendenquittungen auszustellen.

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