Login
Landesversammlung BBV

Hogan in Herrsching: Bürokratieabbau als Chefsache

Externer Autor
am
04.12.2015

EU-Agrarkommissar Phil Hogan kam am Donnerstag zur Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbandes in Herrsching. Er mahnte zum Umweltschutz, versprach aber auch Erleichterungen in der Agrarpoltitk.

Die Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbandes ist traditionell das Gremium, in der die Vertreter und Vertreterinnen der Bauern Satzungsänderungen, den Haushalt und die politische Positionen diskutieren. EU-Agrarkommissar Phil Hogan nutzte die Einladung, um auf spezielle bayerische Belange einzugehen, setzte aber dennoch Marken, die von übergeordneter Bedeutung sind. So riet er den Bauern eindringlich:

"Ignorieren Sie nicht die Dimension des Umweltschutzes. Es liegt in Ihrem eigenen Interesse, gutes Wasser und hochwertige Ressourcen zu haben." Er forderte die Landwirte auf, ein gutes Verhältnis auch zu Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) aufzubauen und zu pflegen. Wiederholt betonte Hogan seine bäuerliche Herkunft, und vermittelte seine Positionen durchaus glaubwürdig: "Ich frage die NGO-Vertreter regelmäßig, wer denn die Landschaft und die Umwelt pflegen solle, wenn es nicht die Europäischen Bauern tun sollen." Mit dieser Aussage holte sich der Ire viele Sympathiepunkte und den Applaus der etwa 200 Delegierten, die sich in Herrsching eingefunden hatten.

Hogan und Heidl legen symbolischen Hebel um

Bauernverbands-Präsident Walter Heidl kritisierte die "unerträgliche Reglementierungswut", die die Brüsseler Agrargesetze für die Landwirte mit sich bringen. Heidl schaffte es, Hogan kurzfristig in eine nachdenkliche Stimmung zu versetzen: mit einem Film-Einspieler, in dem Charlie Chaplin als Fließbandarbeiter zu sehen ist, der mit den Hinweisen seines Vorgesetzten nicht mehr klar kommt und schließlich durch ein Räderwerk gedreht wird. Vor diesem Eindruck kam Hogan nicht umhin, gemeinsam mit Heidl einen symbolischen Hebel umzulegen, um dieses "außer Kontrolle geratene Räderwerk" zu stoppen.

Priorität Nr 1: Vereinfachung der Agrarpolitik

Hogan versprach in seiner Rede, der Vereinfachung der Agrarpolitik Priorität Eins in seiner Arbeit zu geben. Auf die Frage hin, was er für Reformpläne habe, machte er deutlich, dass es durchaus auch einmal einen Kommissar geben könne, der keine grundlegende Reformen im Visier habe, sondern vielmehr für eine Stabilisierung des Bestehenden arbeite.

In Sachen Milch positionierte sich BBV-Milchpräsident Günther Felßner deutlich gegenüber Hogan: "Ein neues Mengensteuerungssystem bürdet den Landwirten nur noch weitere Kosten auf". Darauf machte Hogan deutlich: "Ein Zurück zu einer Milchquote wird es nicht geben".

BDM demonstriert für eine Mengensteuerung

Gegen diese Haltung Hogans waren etwa 70 Vertreter des BDM vor dem Herrschinger Tagungshaus mit Plakaten, Trillerpfeifen und Trommeln angetreten. Umrundet von etwa 50 Polizisten waren Rufe nach einer flexiblen Mengensteuerung zu hören. Nachdem Hogan den wartenden Bauern kein Gehör schenkte, waren einige Vertreter sichtlich aufgebracht.

Hogan hingegen versprach den Vertetern des Bauernverbandes, sich um die Erschließung neuer Absatzmärkte zu kümmern und kündigte Reisen nach Mexiko, China, Kolumbien und Japan an. Er riet den Milchbauern vorausschauend zu investieren, um auch in schlechten Jahren Rücklagen zur Überbrückung zu haben.

Den gesamten 10-Punkte-Forderungskatalog des Bayerischen Bauernverbandes finden Sie online unter: www.BayerischerBauernVerband.de/Forderungen-Preismisere

 

Auch interessant