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Brexit

Irland will bei hartem Brexit EU-Sonderhilfen

Luftballons mit europaflaggen
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Anke Fritz, agrarheute
am
07.01.2019

Irlands Regierung sorgt sich im Falle eines "No-Deals" um seine Farmer und insbesondere um die Tierhalter. Sonderhilfen der EU sollen die Landwirtschaft stützen.

Irland will im Fall eines ungeordneten Brexit bei der EU-Kommission in Brüssel offenbar „mehrere hundert Millionen Euro“ an Sonderhilfen für die eigene Landwirtschaft beantragen. Medien auf der Insel berichten, dass das Dubliner Agrarministerium unter Ressortchef Michael Creed bereits entsprechende Vorbereitungen für den Fall eines „No-Deal-Szenarios“ treffe.

Rinderhalter fürchten um ihre Exporte

Die dann drohenden Zölle und steigenden Einfuhren aus Drittstaaten nach Großbritannien hätten unabsehbare Folgen für die heimischen Landwirte, da 37 % der Agrarprodukte und fast die Hälfte des in Irland produzierten Rindfleischs in das Vereinigte Königreich geliefert würden, erklärte eine Sprecherin des Agrarressorts.

Der Präsident des irischen Bauernverbandes (IFA), Joe Healy, forderte derweil Minister Creed auf, konkrete Details über seine Hilfeforderungen an die Europäische Union vorzulegen. Die Ankündigung von Creed, dass Anliegen auf dem Agrarrat im April in Luxemburg vorbringen zu wollen, sei nicht hilfreich, da die Probleme zu diesem Zeitpunkt möglicherweise schon akut seien.

Healy, der auch Vizepräsident des EU-Ausschusses der Bauernverbände (COPA) ist, zeigte sich zudem alarmiert über die drohende Aussicht eines „No-Deal“ und verwies auf die erhebliche Betroffenheit der irischen Farmer und insbesondere der Tierhalter. Er warnte sogar vor einem möglichen Ende der irischen Rindfleischproduktion.
 

Schotten bangen hingegen um Arbeitskräfte

Ob es im März tatsächlich einen EU-Austritt der Briten ohne Abkommen geben wird, hängt jedoch vom Abstimmungsverhalten des britischen Unterhauses am 21. Januar ab, wenn über das mit Brüssel ausgehandelte Übergangsabkommen entschieden wird. Eine Zustimmung der Parlamentarier ist weiter unsicher.

Derweil zeigt sich die schottische Landwirtschaft besonders besorgt über den drohenden massiven Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft durch den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens. Bisher waren die Landwirte im Vereinigten Königreich vor allem auf Arbeitskräfte aus mittel- und osteuropäischen EU-Staaten angewiesen.

Kritisiert werden vor allem die kürzlich veröffentlichten Pläne, wonach Fünfjahresvisa für Arbeitskräfte aus der EU nach dem Brexit nur noch erteilt werden, sofern diese ein Jahresgehalt von mindestens 30.000 £ (33.538,29 Euro) vorweisen können.

Mit Material von AgE
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