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Ferkelkastration

Isofluran mit Sachkundenachweis: Bauernverband wirbt um Zustimmung

am Dienstag, 17.09.2019 - 10:29 (Jetzt kommentieren)

Die Mehrheit im Bundesrat für die Ferkelbetäubungs-Sachkundeverordnung ist fraglich. Aeikens und Hemmerling werben um Zustimmung.

Sollte die Ferkelbetäubungs-Sachkundeverordnung keine Mehrheit erhalten, ist ein weiterer schwerwiegender Strukturwandel in der Sauenhaltung zu erwarten. Deshalb warben im Vorfeld der entscheidenden Sitzung des Bundesrats an diesem Freitag (20.9.) sowohl das Bundeslandwirtschaftsministerium als auch der Deutsche Bauernverband (DBV) bei den Ländern um Zustimmung zu der Verordnung.

Diese schafft die rechtliche Voraussetzung für eine breite Anwendung der Kastration unter Isoflurannarkose. Dafür sollen der bislang geltende Tierarztvorbehalt aufgehoben und es den Landwirten ermöglicht werden, die Betäubung selbst durchzuführen.

Strukturbrüche erwartet

In ihren Schreiben an die Landesregierung warnen Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens und der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling vor einem Scheitern dieser Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration. Dies würde insbesondere zu Lasten kleiner Betriebe gehen und weitere Strukturbrüche in der Sauenhaltung nach sich ziehen.

Der Agrarausschuss des Bundesrats hatte der Ferkelbetäubungssachkundeverordnung in seiner Sitzung Anfang September nur mit denkbar knapper Mehrheit zugestimmt. Sollte sich dieses Abstimmungsergebnis am kommenden Freitag wiederholen, wäre die Verordnung gescheitert. 

Ohnehin erfolgte die Zustimmung des Agrarausschusses nur nach Maßgabe von 22 Änderungen an der Vorlage des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Ein Teil dieser Änderungen würde dem Agrarressort zufolge eine Nachnotifizierung der Verordnung durch die Europäische Kommission erforderlich machen. Ein Inkrafttreten wäre damit nicht vor Januar nächsten Jahres möglich.

Hemmerling: „Es fehlen Tierärzte“

Aeikens und Hemmerling sehen bei den anderen Alternativen jeweils noch Herausforderungen. „Wir sollten den Landwirten die Durchführung der Betäubung nicht verwehren“, sagt Aeikens. Andernfalls werde dieser Weg für die meisten Betriebe nicht wirtschaftlich umsetzbar sein.

Hemmerling weist ferner darauf hin, dass es an Tierärzten fehle, die für die Durchführung der Betäubung unter Isoflurannarkose als eine „flächendeckende, zeitintensive und zusätzliche Dienstleistung“ zur Verfügung stünden.

Der stellvertretende DBV-Generalsekretär appellierte zudem an die Länder, bereits jetzt die Schulungen vorzubereiten, mit denen Landwirte die geforderte Sachkunde für die Durchführung der Betäubung erwerben könnten. Ziel müsse es sein, möglichst im Januar 2020 mit den Lehrgängen zu beginnen.

Mit Material von AgE

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