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Kaniber will Ausstieg aus der Anbindehaltung "so schnell wie möglich"

Anbindehaltung-Rind
am Donnerstag, 20.05.2021 - 15:10 (3 Kommentare)

Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber hat heute (20.5.) in einer Regierungserklärung den Ausstieg aus der ganzjährigen Anbindehaltung gefordert, und zwar "so schnell wie möglich".

Michaela Kaniber

Kaniber wies im Landtag darauf hin, dass noch immer 14.000 Betriebe ihre Kühe in Anbindeställen halten würden, obwohl die Politik seit drei Jahrzehnten keinen Anbindestall mehr fördere. „Wer unseren Betrieben jetzt wirklich etwas Gutes tun will, der muss die Verbraucher, den Markt und die Wirtschaft genauer beobachten - und muss ehrlich sein zu unseren Landwirten“, erklärte die CSU-Politikerin.

Außerdem kündigte Kaniber den Ausstieg aus dem Export von Tieren in Drittstaaten an. Den bayerischen Zuchtverbänden sei ein Angebot gemacht worden, um einen freiwilligen, schnellstmöglichen Ausstieg zu unterstützen und abzufedern, so die Ministerin.

"Jetzt ist Tempo angesagt"

Sie wolle ein „deutliches Signal“ setzen, sagte Kaniber in Richtung der Landwirte mit ganzjähriger Anbindehaltung. „Jetzt ist Tempo angesagt“, so die Ministerin.

Sie unterstrich zugleich das Ziel, möglichst keinen Betrieb auf dem Weg aus der Anbindehaltung verlieren zu wollen. Daher solle im Rahmen einer Beratungsoffensive auf alle Höfe mit Anbindehaltung zugegangen werden, um mit einer Investitionsförderung den Umbau zu unterstützen oder Möglichkeiten zur Umnutzung der Betriebsgebäude sowie zur Diversifizierung aufzuzeigen. „Wir lassen keinen Betrieb zurück“, betonte Kaniber.

Der Freistaat will ein eigenes Tierwohlprogramm auflegen

Der Landwirtschaftsministerin zufolge steht der Umbau der Nutztierhaltung ganz oben auf der politischen Agenda. Sie zeigte sich überzeugt, dass „mehr Tierwohl statt mehr Tiere“ für viele Höfe das Motto der Zukunft sein werde, und kündigte an, die Investitionsförderung für Tierwohlställe sowohl bei Zuchtsauen als auch zur Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung von 30 % auf 40 % anzuheben. Damit werde die maximale Obergrenze nach EU-Recht ausgeschöpft.

Zudem wird Bayern nach Kanibers Worten bei den Tierwohlprämien nicht auf den Bund warten und 2022 mit dem Bayerischen Tierwohlprogramm „BayProTier“ für Schweine und Mastrinder starten. Damit wolle das Agrarressort die Ziele mehr Platz pro Tier, mehr Tiere auf Stroh, mehr Außenklimareize beziehungsweise mehr Auslauf erfüllen. Dafür seien im Endausbau jährlich bis zu 50 Mio Euro eingeplant.

Heidl fordert Maß und Ziel

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Walter Heidl, mahnte anlässlich der von Kaniber vorgestellten Pläne zur Tierhaltung eine Weiterentwicklung mit Maß und Ziel an. „Auch kleinen Betrieben zum Beispiel mit Anbindehaltung muss ein gangbarer Weg ermöglicht und eine verlässliche Perspektive für die Zukunft gegeben werden“, forderte Heidl.

Dafür müssten das Bau- und das Umweltrecht so ausgestaltet werden, dass der Um- und Neubau von Ställen hin zu mehr Tierwohl überhaupt möglich sei. Ansonsten liefen Tierwohlförderungen ins Leere.

Mit Material von AgE

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