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Tierwohl

Kastenstand: Planungen machen Sauenhalter sauer

am
29.05.2019

Die geplanten Vorgaben für Kastenstände sorgen für Zündstoff. Hier einige Stimmen aus der Branche.

Zu den geplanten Änderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung wegen des Kastenstandsurteils fordert der Deutsche Bauernverband die Bundesregierung dazu auf, die Sauenhalter bei der Umsetzung massiv zu unterstützen.

„Wir sind grundsätzlich offen für Änderungen zum Wohl der Tiere, aber es braucht Entscheidungen mit Augenmaß, die den Betrieben Perspektive geben. Bauern brauchen zudem Planungs- und Investitionssicherheit. Wenn diese Verordnung greifen soll, muss endlich für ein Ende der bau- und genehmigungsrechtlichen Blockade bei Um- und Neubauten von Ställen gesorgt werden“, sagt der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken.

Gerade mit Blick auf die geplanten Anforderungen an den Abferkelstall sei es wichtig, eine verlässliche Perspektive für bestehende Ställe zu bekommen. „Sonst ist die bäuerliche Sauenhaltung in Deutschland spätestens in 12 Jahren Geschichte“, warnt DBV-Generalsekretär Krüsken.

Hürden im Baurecht endlich aufheben

Zwar bringt diese Verordnung nun endlich Klarheit für diejenigen Betriebe, die vor Investitionsentscheidungen stehen, doch führt eine Reihe praxisfremder Detailregelungen sowie insbesondere die Neuregelung der Abferkelbucht auch für Altgebäude trotz Übergangsfrist zu großen Herausforderungen.

Insofern sieht der DBV noch Nachbesserungsbedarf. Die geplanten Änderungen erfordern für fast zwei Drittel der Gebäudesubstanz, in denen Sauen gehalten werden, Neu- oder Umbauten und sind somit von existenzieller Bedeutung für viele Sauenhalter. Neben finanzieller Unterstützung durch ein umfassendes Investitionsförderprogramm gilt es vor allem, bürokratische Hürden im Baurecht endlich abzubauen.

ISN: 3,5 Mrd. Euro Umbaukosten erwartet

Ferkel in Abferkelbucht

Wenn die Vorstellungen des Bundesagrarministeriums so durchkommen, trifft laut ISN genau das zu, was Dirk Fisser, Redakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) Anfang April in seinem Kommentar zur Haltungsverordnung geschrieben hat: Die Sauenhalter wüssten nun, wann sie die Sauenhaltung aufgeben werden – nämlich nach Ablauf der Übergangsfrist von 15 Jahren.

Den Schweinehaltern nützt Planungssicherheit nichts, wenn ihnen gleichzeitig durch überzogene und auch fachlich unsinnige Anforderungen die Perspektive geraubt wird. So schätzt die ISN die nötigen Umbaukosten für Sauenhalter auf 3,5 Mrd. Euro. 

Kritisch sieht die Interessensverband beispielsweise die Vorgabe von 5 m² frei verfügbarer Fläche für die Sau auch aus Tierschutzsicht kontraproduktiv. Damit seien Abferkelbuchten von in der Regel 7,5 m² und mehr vorgegeben. "Warum orientiert man sich nicht an dem, was andere Staaten bereits für diesen Bereich geregelt haben – beispielsweise in Österreich?", fragt die ISN.

Tierschützer sind gegen Übergangsfrist

Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN verurteilt die Dauer der Frist und fordert zeitnahe Verbesserungen für Millionen Sauen. Ihrer Meinung nach haben die Gerichte klar geurteilt. Es dürfe keine weiteren Übergangsfristen für Kastenstände im Deckbereich geben. Der Entwurf sei rechtswidrig.

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