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Agrarumweltpolitik

Kieler Agrarprofessor vergibt schlechte Noten für Agrarpolitiker

am Montag, 28.10.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Der Kieler Agrarwissenschaftler Prof. Friedhelm Taube stellt ein schlechtes Zeugnis für die deutsche Agrarpolitik aus. Deutschland habe bis heute keines der von der EU vorgegebenen oder selbst gesetzten Ziele im Agrarumweltbereich erreicht.

Prof. Dr. Friedhelm Taube

Der Direktor des Instituts für Pflanzenbau der Universität Kiel, Prof. Friedhelm Taube, sprach von „Politikversagen auf der ganzen Linie“ sagte der Kieler bei der Jahresversammlung des Europäischen Netzwerks der Agrarsozialversicherungssysteme am Dienstag in Berlin. Landwirtschaftliche Unternehmen müssten zunehmend den politischen Druck in ihr Risikomanagement einbeziehen, der durch die Nichterfüllung von EU-Vorgaben entstanden sei.

"Intensität der Bewirtschaftung muss reduziert werden"

Taube sprach sich außerdem erneut für eine ökologische Intensivierung der Landwirtschaft aus. "Landwirte müssen die aktuellen Ertragsniveaus halten, aber gleichzeitig die Intensität der Bewirtschaftung reduzieren", so der Kieler. "Zudem müssen die enormen Umweltkosten, die vielfach mit der derzeitigen Bewirtschaftung einhergehen, gesenkt werden."

"Gemeinwohlprämie" statt bisheriger Direktzahlungen

Auch warnte Taube vor überzogenen Erwartungen an die Digitalisierung in der Landwirtschaft: „Landwirtschaft 4.0 ist ein Werkzeug, aber nicht die strategische Lösung“. Eine Schlüsselstellung räumt der Wissenschaftler einer Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ein. Ziel müsse eine Gemeinwohlprämie anstelle der bisherigen Direktzahlungen sein, um Umweltleistungen der Landwirtschaft zu honorieren. 

"Zukunft liegt in Gemischtbetrieben"

Der Agrarprofessor sieht kaum noch Möglichkeiten für nachhaltige Ertragssteigerungen in spezialisierten Anbausystemen und verweist auf deren hohe Kosten. Den Ausweg sieht Taube in einer Diversifizierung von Anbausystemen: „Wir erreichen mehr Ertragssicherheit durch die Kombination von Marktfrucht- und Futterbau“, so der Wissenschaftler. Die Zukunft liege in Gemischtbetrieben statt spezialisierten Ackerbaubetrieben.

Mit Material von AgE

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