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Agrarpolitik

Klöckner hält an Stärkung des ländlichen Raums fest

ländlicher Raum
am Freitag, 08.03.2019 - 10:50

Ökonomen des Leibniz-Instituts in Halle plädieren in einer Studie für eine Stärkung der Städte statt des ländlichen Raums in Ostdeutschland. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner findet das befremdlich.

"Wer die Städte stärkt, bringt das ganze Land voran", lautet ein zentraler Appell der Ökonomen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Laut ihrer Publikation "Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall", unterscheidet sich Produktivität zwischen den ost- und westdeutschen Städten mehr als zwischen den ländlichen Regionen.

Ursache sei, dass Konzernzentralen häufig in den westdeutschen Städten angesiedelt seien und dass "drei Viertel der Beschäftigten im Westen in Städten arbeiten, während es im Osten nur die Hälfte ist." Wenn sich aber die Wirtschaftskraft in Ost und West weiter annähern solle, müsse man vor allem die Städte stärken. Denn dort entstünden "jene hochwertigen Dienstleistungen, die die Wirtschaft mehr und mehr bestimmen", so die Herausgeber der Publikation.

Klöckner übt scharfe Kritik an Vorschlägen der Ökonomen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner kritisierte die Studie mit deutlichen Worten. Sie hält es für „befremdlich“, „Dörfer im ländlichen Raum aufzugeben“. Diese seien Heimat für mehr als die Hälfte der Bevölkerung und man könne sie nicht einfach "verwüsten lassen". 

Für „falsch“ hält Klöckner die Annahme der Forscher, den ländlichen Räumen gehe es per se schlechter als Ballungszentren. Strukturschwache Gebiete seien „keine Frage der Himmelsrichtung“. Aufgabe der Politik sei es, diese Regionen angepasst zu unterstützen und vorhandene Potentiale zu nutzen.

Klöckner kündigte an, in der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ Handlungsempfehlungen zu erarbeiten und dabei vor allem die Chancen des ländlichen Raums in den Blick zu nehmen.

Kritik auch von der SPD

Dirk Wiese, Berichterstatter für ländliche Räume der SPD-Bundestagsfraktion, und der Sprecher der Landesgruppe Ost der Fraktion, Frank Junge, zeigten sich „fassungslos“ zum Vorschlag des Leibniz-Instituts.

Die Politiker gaben zu bedenken, dass mehr als die Hälfte der Einwohner Deutschlands auf dem Land lebe. Die reine volkswirtschaftliche Analyse Ostdeutschlands greife somit viel zu kurz. Die Wissenschaft müsse für alle Menschen in der Gesellschaft Fortschritte ermöglichen und solle nicht "die Hälfte der Bevölkerung ausklammern."

Zuvor hatte auch schon Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff Kritik an den Thesen des IWH zur Strukturförderung geübt. „Für eine erfolgreiche Gesamtentwicklung in Ostdeutschland müssen wir die ländlichen Räume stärken“, betonte der CDU-Politiker.

Mit Material von AgE, BMEL

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