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Nahrungsmittelversorgung

Klöckner: Sonderrolle der Landwirtschaft in der Corona-Krise

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am Dienstag, 17.03.2020 - 15:23 (1 Kommentar)

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz betonten Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Vertreter der Nahrungsmittelkette, dass die Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland gesichert ist. Hamsterkäufe seien nicht notwendig.

Die aktuelle Coronakrise macht die kritische Bedeutung der Land- und Ernährungswirtschaft sichtbar. Das sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Dienstag in Berlin. Die Lebensmittelversorgung in Deutschland sei gesichert. Allerdings müsse auch für die Kinder von Menschen, die in der Nahrungsmittelkette arbeiteten, eine Notfallbetreuung zur Verfügung gestellt werden.

Klöckner betonte: „Hamsterkäufe sind unnötig und schaden auch.“ Eine Vorsorge mit „Maß und Mitte“ sei sinnvoll, es gebe aber keinen Grund, Lebensmittel zu horten. Mittelfristig würde dies nur zu höherer Lebensmittelverschwendung führen. Auch die Futterversorgung von Nutztieren sei gesichert. Warenlieferungen aus dem Ausland würden weiter funktionieren und auch die Supermärkte würden weiter offenbleiben

Warenverkehr in EU offen halten

Als Herausforderung sieht die Ministerin, den innereuropäischen Warenverkehr angesichts des Coronavirus offen zu halten. Für Lieferungen von Produkten, die nicht an Grenzen warten könnten, könne es sinnvoll sein, Sonderspuren an Grenzübergängen einzurichten. Klöckner erklärte auch, dass es Gespräche zwischen dem Auswärtigen Amt und der Lufthansa gebe, Kapazitäten für Sondertransporte von Waren und Personen einzurichten, die nicht durch Transitländer gebracht werden könnten. Diese Gespräche seien aber noch am Anfang.

Saisonarbeitskräfte kritisch

Geprüft werde derzeit, so Klöckner, Regeln etwa wie Zuverdienstgrenzen oder für Arbeitnehmer aus anderen Branchen zu lockern, die in der Landwirtschaft arbeiten wollen und können. Manche Landwirte seien wegen der Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften in Sorge. Hier könnte möglicherweise durch regional organisierte Jobbörsen gegengesteuert werden.

Auch Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, betonte, dass die Nahrungsversorgung gesichert sei. Insbesondere bei Saisonarbeitskräften für Sonderkulturbetriebe brauche es flexiblere Lösungen. Insgesamt würden in Deutschland jährlich rund 286.000 Saisonarbeitskräfte eingesetzt.

Flexibilisierungen nötig

Christian von Boetticher, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, dankte Klöckner für die exzellente Koordination durch die Bundesregierung. Wenn die Coronawelle ihren Höhepunkt erreicht, werde es „noch ein paar Dinge“ brauchen, damit die Lebensmittelkette voll funktionsfähig bleibt. Dazu gehörten insbesondere eine Lockerung der maximalen Tagesarbeitszeitgrenze von 10 Stunden, der Sonntagsarbeit, dem Einsatz von 450-Euro-Kräften und der Lenkzeitregelung für Fahrer. Es brauche zudem Schnelltests auf das Virus, um nicht Verdachtsfälle zwei Wochen in Quarantäne schicken zu müssen.

Wochentags statt Samstags einkaufen

Auch Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, betonte, dass Hamsterkäufe nicht notwendig seien. Die Zentrallager des Handels seien gut gefüllt. Eine Öffnung von Supermärkten am Sonntag, die rechtlich aktuell möglich sei, sei aus Sicht des Handels nicht notwendig. Genth warb dafür, dass Verbraucher auch unter der Woche einkaufen sollten und nicht nur am Samstag. Eine Herausforderung aus seiner Sicht sei es, die Kinderbetreuung für Mitarbeiter zu sichern. Eine Kindernotbetreuung sei hier extrem wichtig.

Keine Infektion durch Lebensmittel

Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, erklärte abschließend, dass es keinen nachgewiesenen Fall einer Übertragung des Coronavirus durch Kontakt mit Lebensmitteln oder trockenen Flächen gebe. Auch durch Nutztiere werde das Virus nicht übertragen. Er warb für umsichtiges Verhalten, das Einhalten der Hygieneregeln und sagte, dass gesunde Personen sich auch nicht regelmäßig die Hände desinfizieren müssten.
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