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Tierwohlkennzeichen

Klöckner verteidigt staatliches Tierwohllabel

VDAJ_IGW_2019
am
17.01.2019

Landwirtschaftsministerin Klöckner hat ihren Ansatz für ein freiwilliges staatliches Tierwohllabel verteidigt. Der DBV favorisiert nach wie vor eine Pflichtkennzeichnung.

Julia Klöckner

"Viele Verbraucher wollen wissen, wie ein Tier gehalten wurde. Und zumindest auf der Erwartungsebene sind viele Verbraucher auch bereit, für mehr Tierwohl mehr zu zahlen." Das hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner heute in einer Fragestunde des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ) im Vorfeld der Internationalen Grünen Woche in Berlin bekräftigt.

Sie verteidigte den Ansatz, das Kennzeichen nur freiwillig anzubieten, mit dem Hinweis, "was wir rechtlich verpflichtend machen, können wir nicht finanziell fördern". Da herrschten teilweise unklare Vorstellungen.

Gesetzentwurf liegt in Brüssel

Klöckner zufolge ist ein zwischen den Ressorts abgestimmter Gesetzentwurf für die Haltungskennzeichnung inzwischen zur Notifizierung an die EU-Kommission in Brüssel versandt worden.

Die Haltungskriterien werden allerdings in einer Verordnung geregelt. Der Entwurf hierfür soll demnächst vorliegen. Die Verbände und die Bundesländer sollen zu dem Entwurf angehört werden, ehe die parlamentarischen Beratungen eingeleitet werden.

ITW darf nicht gefährdet werden

Joachim Rukwied IGW VDAJ

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, erklärte hingegen, nach wie halte der DBV eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für den richtigen Weg. Damit würde die wünschenswerte Transparenz für den Verbraucher geschaffen.

Gleichwohl begleite der DBV die Vorbereitung am staatlichen Label weiterhin konstruktiv, sagte Rukwied. Er warnte allerdings davor, mit der staatlichen Kennzeichnung das mit der Initiative Tierwohl (ITW) Erreichte zu gefährden. Insbesondere der Fonds von 130 Mio. Euro jährlich müsse weiter zur Verfügung stehen.

Staatliches Zeichen darf kein Feigenblatt werden

Zur Debatte über die Höhe der Anforderungen vertrat Rukwied die Auffassung, das staatliche Kennzeichen dürfe nicht so strenge Kriterien verlangen, dass es in der Nische verbleibe und nur als Feigenblatt diene.

DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein staatliches Label nur dann glaubwürdig sein könne, wenn die Ferkel- und Sauenhaltung von Anfang an mit einbezogen werde.

Offene Punkte bei der Lösung des Handels

Zur Kennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) sagte Rukwied, positiv sei, dass vorhandene Standards einbezogen werden sollten und das LEH-System mit der ITW kompatibel sei. Gut sei auch, dass der komplette Frischfleischsektor abgedeckt werde.

Noch für diskussionswürdig hält Rukwied die Einbindung von Rindfleisch in das System und das Fehlen eines Angebots für Verarbeitungsware, Bioprodukte sowie regionale Erzeugnisse.

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