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Green Deal

Klöckner: Viel Farm und wenig Fork in der EU-Agrarpolitik

Julia Klöckner bei ihrer Pressekonferenz am 28. Mai 2020.
am Donnerstag, 28.05.2020 - 16:24 (1 Kommentar)

Bundesministerin Julia Klöckner sieht für die Farm-to-Fork-Strategie noch Verbesserungsbedarf. Der Verbraucher müsse mehr in den Mittelpunkt der Strategie rücken, wie sie heute in ihrer Pressekonferenz in Berlin betonte. Zugleich forderte sie – inbesondere vom Handel – mehr Wertschätzung für Lebensmittel und Unterstützung für die Landwirte.

Die Stellungnahmen der einzelnen EU-Mitgliedstaaten zur Farm-to-Fork-Strategie fielen sehr unterschiedlich aus, teilte die Bundesministerin mit. In ihrem Statement versuchte sie, sowohl die Licht- als auch die Schattenseiten zu beleuchten. Verbessert werden müsse die Strategie durch klare Aussagen über die Finanzierung der Maßnahmen und praktische Methoden auf dem Acker. Mengenmäßige Zielvorgaben genügten nicht, stattdessen müssten verschiedene Szenarien und Folgenabschätzungen entwickelt werden. Auch sollten die Bedürfnisse der Verbraucher bei den Verhandlungen stärker in den Vordergrund treten. „Für mich war es ein bisschen viel Farm und wenig Fork“, sagte Klöckner in ihrer Pressekonferenz.

Beim Umweltschutz sei es „nicht so, dass wir bei Null anfangen“, die Landwirte zeigten diesbezüglich eine große Bereitschaft. Auch EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius habe in der heutigen Sondersitzung der Agrar- und Umweltministerkonferenz die notwendige Balance zwischen einer lebendigen Landwirtschaft und einer lebendigen Umwelt betont. Dass sich die Farm-to-Fork-Strategie und die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nicht gegenseitig ausschließen, hob die Bundesministerin als wichtiges Anliegen hervor.

Sichere Versorgung mit Lebensmitteln in der Corona-Krise

Auch in der Corona-Krise ist die Versorgung mit Lebensmitteln gewährleistet, dennoch sprach sich Klöckner gegen „Konsumnationalismus“ aus: So sei in den letzten Monaten deutlich geworden, wie wichtig Handelsketten und die Vielfalt an Lebensmitteln sind. Die Verfügbarkeit nationaler und europäischer Lebensmittel müsse gesichert und intakte Lebensmittelketten müssten aufrechterhalten werden.

Handel: Trotz Zuverlässigkeit in der Corona-Krise scharfe Kritik

Vor ihrem Gespräch mit Vertretern der Lebensmittelkette umriss Bundesministerin Klöckner ihre wesentlichen Kritikpunkte, welche sich auf den Handel beziehen: Das in der letzten Woche vom Handel angekündigte Vorhaben, für Fleisch- und Wurstprodukte die Preise senken zu wollen, lehnte sie nachdrücklich ab. Bei den herrschenden hohen Standards in der Fleischproduktion seien geringe Preise nicht akzeptabel. Im Handel solle Fleisch weder zu „Ramsch-“, noch zu Luxuspreisen verkauft werden. Eine aggressive Werbung und die Erziehung der Kunden zu Niedrigpreisen seien falsche Signale und das Gegenteil von Wertschätzung unserer Lebensmittel. Stattdessen sollten andere Faktoren wie Qualität, Nachhaltigkeit oder Tierwohl in die Werbung mit einbezogen werden.

Klöckner kündigte an, den Vertretern der Lebensmittelkette Leitplanken für wertschätzende Werbung an die Hand geben zu wollen. Angesichts der Corona-Krise sprach sie dennoch ihren Dank an die gesamte Wertschöpfungskette aus.

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