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Wolfsmanagement

Klöckner will Koexistenz von Wolf und Weidetieren ermöglichen

Schafe auf einer Weide mit Eseln als Herdenschutz
am Mittwoch, 31.03.2021 - 14:45 (4 Kommentare)

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eröffnete heute (31.03.) in Brandenburg ein neues „Bundeszentrum Weidetiere und Wolf“. Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert, dass eine Regulierung des Wolfsbestandes ermöglicht werden muss.

Ziel des neuen Bundeszentrums in Eberswalde ist es, für die Koexistenz von Weidetieren und Wolf praxisgerechte Lösungen zu finden und Konflikte auszuräumen. Zu den wesentlichen Aufgaben werden das Erarbeiten von Konzepten für Präventionsmaßnahmen, Schadensausgleichzahlungen und Regeln für die Entnahme von Wölfen im Sinne des Herdenschutzes gehören.

Das Zentrum ist bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) angegliedert, die wiederum dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) untergeordnet ist. Für dieses und das nächste Jahr sind Mittel in Höhe von 300.000 Euro sowie drei Vollzeitstellen für die Einrichtung geplant.   

Wolfsbestand nimmt stetig zu

In einer Pressemitteilung berichtet das Bundeslandwirtschaftsministerium von Tierzahlen, die sich alle drei bis vier Jahre verdoppelten. Damit habe auch die Anzahl von Wolfsrissen zugenommen. Wurden 2006 noch 40 Nutztiere gerissen oder verwundet, waren es 2019 schon 2.900 Tiere. Zu 86 Prozent erfolgten die Angriffe auf Schafe und Ziegen.

Die Landwirtschaftsministerin betonte, dass Landwirte wegen der Rückkehr des Wolfs keinen Abstand von der Weidetierhaltung nehmen dürften. Weidetiere sorgten für die Landschaftspflege und seien Ausdruck einer nachhaltigen Nutztierhaltung.

Konkret werde sich das Bundeszentrum mit einer jährlichen und länderübergreifenden Übersicht zu angewandten Herdenschutzmaßnahmen befassen. Dazu gehöre die Erfassung der Wolfsübergriffe, die trotz Herdenschutz stattgefunden haben und die Ermittlung der Ursachen. Erforschen und prüfen werde das Bundeszentrum darüber hinaus, wie die vorhandenen Schutzmaßnahmen noch verbessert werden können.

Auf Ebene der Verwaltung bildeten verbesserte Verfahren für Entschädigungen einen weiteren Arbeitsschwerpunkt des Bundeszentrums. Weiterhin solle geklärt werden, wie sich der Herdenschutz finanzieren lässt. Außerdem werde das Zentrum prüfen, wie der Wolf im Naturschutzrecht zu behandeln ist.

Das Erarbeiten einer Strategie zur Regulierung des Wolfsbestandes gehöre ebenfalls zu den Tätigkeiten des Zentrums.

DBV will Entnahme von Wölfen rechtlich sicherstellen

Dass das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf eingerichtet wurde, ist nach Ansicht des DBV richtig. Dessen Arbeit dürfe sich jedoch nicht auf Fragen des Zaunbaus und des Herdenschutzes begrenzen – schließlich gebe es keine wolfssicheren Zäune und Herdenschutzhunde könnten nur teilweise helfen, so der Bauernverband. In den Fokus genommen werden müsse darüber hinaus die Regulierung des Wolfs.

Den Umgang mit Wölfen in anderen EU-Staaten, beispielsweise Schweden oder Frankreich, solle sich das neue Zentrum vom Vorbild nehmen. DBV-Präsident Joachim Rukwied bekräftigte, dass ein aktives Wolfsmanagement mit dem EU-Recht vereinbar sei. „Die bisherigen Regelungen im Bundesnaturschutzgesetz zur Regulierung von Wölfen sind für den Schutz der Weidetierhaltung faktisch nutzlos und bleiben weit hinter dem europarechtlich Machbaren zurück“, so Rukwied.

Mit Material von dpa

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