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Ernährungspolitik

Klöckner will Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten reduzieren

Fastfood
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Sabine Leopold, agrarheute
am
21.12.2018

Künftig sollen Fertigprodukte im Lebensmittelbereich weniger Zucker, Salz und Fett enthalten. So will es der Koalitionsvertrag und so soll der Plan nun auch umgesetzt werden. Verbraucherschützern und Grünen jedoch geht der Entschluss längst nicht weit genug. Im Fokus der Kritik steht vor allem die Freiwilligkeit seitens der Hersteller.

Das Bundeskabinett hat in seiner Sitzung vom 19. Dezember die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertignahrungsmitteln beschlossen. Der Auftrag dazu war im Koalitionsvertrag formuliert.

Bis zum Jahr 2025 sollen laut Bundesernährungsministerin Julia Klöckner vor allem sogenannte Kinderlebensmittel weniger süß, salzig und fettreich werden. Im Focus stehen dabei Produkte wie Frühstückscerealien, Joghurt und Erfrischungsgetränke.

Kampf gegen Volkskrankheiten

Julia Klöckner begründet die Umsetzung der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie: "So können wir den Ursachen von Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck entgegen wirken. Denn zu viel Zucker, gesättigte Fettsäuren und zu viel Salz sind eine wesentliche Ursache für diese Krankheiten."

Die Strategie wird allerdings keine staatlichen Vorgaben beinhalten, sondern auf Selbstverpflichtungen der Lebensmittelhersteller fußen. Bis Ende 2025 soll so beispielsweise der Zuckergehalt in Frühstücksflocken um 20 Prozent, der in Cola, Limo und Eistee um 15 Prozent und der in Kinderjoghurts um 10 Prozent gesenkt werden. Daneben gibt es Vereinbarungen mit dem Bäckerhandwerk und mit Fertigpizzaproduzenten zur Senkung der Salzgehalte in deren Produkten.

Klöckner dazu: "Ziel ist, dass die gesunde Wahl zur leichteren Wahl wird."

Die Umsetzung der Beschlüsse und die Folgen der Reduktionsstrategie werden laut BMEL durch ein engmaschiges Monitoringnetz überwacht. Im Herbst 2019 steht eine erste Überprüfung an, ein Zwischenbericht ist für Ende 2020 geplant.

Kritik am Prinzip der Freiwilligkeit

Von Seiten der Opposition hagelt es allerdings eher Kritik für das Vorgehen der Koalition. Die Grünen kritisieren vor allem das Prinzip der Selbstverpflichtung. Renate Künast, einst selbst Verbraucherministerin, äußert sich auf Twitter: "Reduktionsstrategie ist ein Geschenk von Klöckner an Lebensmittelkonzerne, denn sie kommen billig davon. Sie basiert auf freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, die erst bis 2025 umgesetzt werden sollen."

Der Geschäftsführer von foodwatch, Martin Rücker, formuliert laut der Süddeutschen Zeitung noch weit schärfer: Die Ministerin "bitte die Hersteller freundlich, etwas weniger Zucker in ihre Produkte zu kippen und überlässt es den Unternehmen, ob sie mitmachen oder nicht."

Ärzte zurückhaltend bis vorsichtig optimistisch

Vorsichtig optimistisch urteilt die Ärzte-Zeitung. Hauke Gerlof schreibt: "Untätigkeit auf dem Weg zu weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten kann man Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) in diesem Herbst wirklich nicht mehr vorwerfen. [...] In den kommenden Jahren wird sich dann zeigen, ob der Weg, die Industrie mit sanfter Gewalt 'freiwillig' ins Boot zu nehmen, der richtige war oder ob zum Beispiel stärkere steuerliche Anreize vielleicht mehr gebracht hätten."

Das Ärzteblatt dagegen kritisiert, dass es bislang laut Ministerin Klöckner keine geplanten Konsequenzen für die Nichteinhaltung der Ziele der freiwilligen Selbstverpflichtungen gebe.

Verbraucher reagieren gespalten

Viele Verbraucher betrachten den Ansatz misstrauisch und fürchten eine zu starke staatliche Einflussnahme auf das private Feld der Ernährung. Vor allem in den sozialen Medien wird die "Vorschriftenkultur" scharf kritisiert.

Gleichzeitig gibt es Zweifel an der Wirksamkeit. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) twittert: "Die große und bislang völlig unberechenbare Frage bleibt die nach der Reaktion der Kunden." Und ein User namens Wilhelm XIX fragt: "So, und was ist denn, wenn die Käufer nachzuckern, nachsalzen und nachbuttern, weil der Kram nicht mehr schmeckt?"

Andere halten den Plan für einen Papiertiger ohne Zähne und fordern nachdrücklich Lebensmittelampeln, eine Besteuerung von Zucker, Salz und Fett und finanzielle Konsequenzen für Hersteller, die sich nicht an die Reduktionsstrategie halten.

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