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Kommentar

Klöckners gespaltenes Verhältnis zu Großbetrieben

Simon Michel-Berger Chefredakteur agrarheute
am Mittwoch, 11.03.2020 - 07:04 (4 Kommentare)

Bei einem Besuch bei Dennree im bayerischen Töpen zeigt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nichts von der Kritik, die sie noch in der Vorwoche geäußert hatte, als es bei einer Tagung in ihrem Ressort um das Thema Agrarland als Spekulationsobjekt ging.

Es ist Kommunalwahlkampf in Bayern und darum durchaus nachvollziehbar, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Montag der Einladung von Oliver Bär (CSU), Landrat im Landkreis Hof, zu einem Besuch vor Ort folgte. Bärs Ehefrau Dorothee ist bekanntlich Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung. Wenig überraschend war auch, dass Klöckner bei dem Termin einen wichtigen Arbeitgeber in der Region besuchte, die Dennree GmbH, die ihren Hauptsitz in Töpen hat.

Klöckner hatte Großinvestoren kurz zuvor kritisiert

Überraschend ist hingegen, dass Klöckner bei dem Besuch anscheinend keinen Grund zur Kritik an Dennree fand. Das Unternehmen ist nämlich nicht nur der größte Biohändler Europas sondern auch einer der ansonsten so gescholtenen Investoren, die landwirtschaftliche Flächen kaufen. In diesem Fall, um sie auf Bio-Landwirtschaft umzustellen. 2015 erwarb Dennree die damalige Agrofarm 2000 – das heutige Hofgut Eichigt – im sächsischen Vogtland, um dort auf 4000 Hektar im großen Stil Bioprodukte zu erzeugen.

Offizielle Fotos vom Besuch beim Nachrichtenkanal des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf Twitter zeigen eine lächelnde Julia Klöckner, die sich durch eine Lagerhalle von Dennree führen lässt. Von Kritik keine Spur.

Guter Einzelhandel, böser Einzelhandel?

Dabei hatte Klöckner erst am 5. März, bei der Bodentagung ihres Hauses, gewettert, dass Ackerland kein Spekulationsobjekt sei. Wörtlich heißt es von ihr in einer Pressemeldung: „Die Preise für Ackerland sind explodiert [...]. Vor allem, weil diese Flächen durch Regelungslücken zum Spekulationsobjekt für Finanzinvestoren geworden sind. Die Verlierer dabei sind unsere Landwirte.“

Die Ministerin nannte es eine „besorgniserregende Entwicklung“, dass „Einzelhandelsketten, Banken oder Rückversicherungskonzerne unseren Landwirten die Lebensgrundlage wegkaufen“. Seltsam, dass sie sich beim Besuch bei Dennree, dem immerhin die Einzelhandelsgruppe Denn‘s Biomarkt gehört, gar nicht mehr daran erinnern konnte.

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