Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ernährung

Koalitionspolitiker für höhere Steuer auf Fleisch

Steakproduktion bei Westfleisch
am Mittwoch, 07.08.2019 - 09:34 (Jetzt kommentieren)

Agrarpolitiker von CDU und SPD zeigen sich offen für eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch. Der Bauernverband bevorzugt eine verbindliche Haltungskennzeichnung.

Die Grünen haben es gefordert, CDU und SPD zeigen sich verhandlungsbereit: Eine höhere Steuer auf Fleisch.

"Ich bin dafür, die Mehrwertsteuerreduktion für Fleisch aufzuheben und zweckgebunden für
mehr Tierwohl einzusetzen", sagte Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, der "Welt" (Mittwoch). Es sei nicht zu erklären, warum Fleisch mit 7 Prozent und zum Beispiel Hafermilch mit 19 Prozent besteuert werde.

Stegemann: Einnahmen für das Tierwohl nutzen

Albert Stegemann, CDU-Agrarsprecher

Der CDU-Agrarpolitiker Albert Stegemann zeigte sich offen für eine Fleischsteuer. "Eine solche Steuer kann ein konstruktiver Vorschlag sein. Dafür müssten diese Mehreinnahmen aber zwingend als Tierwohlprämie genutzt werden, um die Tierhalter in Deutschland beim Umbau zu unterstützen", sagte Stegemann.

Der Weg zu einer gesellschaftlich nachhaltig akzeptierten Nutztierhaltung koste Milliarden Euro, die die Landwirte in Deutschland nicht alleine tragen könnten.

SPD will auch Fleischerzeuger und LEH zahlen lassen

Rainer Spiering, agrarpolitischer Sprecher der SPD, sieht das ähnlich: "Eine Fleischsteuer, der Einfachheit halber über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent, wäre ein möglicher Weg, der sich allerdings hauptsächlich auf die Konsumenten bezieht", sagte Spiering.

Auch die Fleischproduzenten und der Lebensmitteleinzelhandel müssten ihren Beitrag für eine nachhaltige Nutztierhaltung leisten.

Fleischsteuer läuft ins Leere ohne Stallneubauten

In diesem Zusammenhang stellte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, fest: "Nicht der Fiskus, sondern die Landwirte brauchen Mittel und Unterstützung für eine Weiterentwicklung der Tierhaltung."

Krüsken wies jedoch daraufhin, dass weder dem Tierwohl noch dem Klimaschutz gedient sei, wenn die deutschen Landwirte weiter in mehr Tierwohl investierten und der Markt sich preisgünstig aus anderen EU-Ländern mit niedrigeren Tierwohlstandards versorge. "Deshalb brauchen wir auch eine flächendeckende und verbindliche Kennzeichnung der Haltungsform, die auch die Fleischwaren mit einschließt", unterstrich der DBV-Generalsekretär.

Zudem würde eine Fleischsteuer ins Leere laufen, so Krüsken, weil es für Um- und Neubauten von Ställen derzeit eine faktische Blockade im Bau- und Genehmigungsrecht gebe. Er unterstrich: "Wir brauchen eine verbindliche Strategie für die Nutztierhaltung, die zu Ende gedacht ist."

Fleischproduktion deutlich rückläufig

Fleischproduktion in Deutschland im ersten Halbjahr 2019

Tatsächlich ist die gewerbliche Fleischproduktion in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum einschließlich Geflügel um 2,6 Prozent auf 3,9 Millionen t zurückgegangen.

Besonders deutlich war der Rückgang nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beim Schweinefleisch: Die Schweineschlachtungen nahmen um 4,3 Prozent auf 27,2 Millionen Tiere ab. Die Produktion von Schweinefleisch sank um 3,7 Prozent auf 2,6 Millionen t.

Die Zahl der Rinderschlachtungen ba um 1,3 Prozent auf 1,65 Millionen nach. Durch höhere Schlachtgewichte stieg die Rindfleischerzeugung jedoch um 0,7 Prozent auf 543.300 t.

Die Produktion von Geflügelfleisch fiel mit 786.800 t um 0,7 Prozent kleiner als im ersten Halbjahr 2018.

Mit Material von dpa, Destatis
Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft Dezember 2019
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...